Dass der Klimagipfel in Kopenhagen scheitern wird, war spätestens bei der pompösen Selbstinszenierung der „world leaders“ ersichtlich. Denn schwammige Bekenntnisse lassen sich bekanntlich leichter aussprechen als fixe Zugeständnisse in Form von Taten. Wie auch immer.
Dass sich jedoch ausgerechnet China auf die Seite der Indutsrienation-anprangernden Enticklungsländer stellt und mehr Entwicklungshilfe fordert, ist geradezu beschämend. Denn als weltweit größter Schadstoffausstoßer nach den USA den Mund dermaßen weit aufzureißen, grenzt schon nahezu an Naivität. Unter den Top 10 der schmutzigsten Städte auf der Erde befinden sich 7 in China, inklusive der schmutzigsten Stadt der Welt (Linfen) in der ein Tagesaufenthalt dem Rauchen von 3 Zigarettenpackerln entspricht. Des Weiteren gibt es in Peking jeden Tag 2000 (!!) KFZ Neuzulassungen, vergangenes Wochenende wurde in der Hauptstadt die 4 Mio. Marke durchbrochen – Schadstoffreduzierung ade. Wie stolz wurde der Bevölkerung noch Anfang November die Wachstumsprognose der Autobranche für das 4. Quartal 2009 dargelegt, wie überheblich suhlt man sich jeden Tag in den Abendnachrichten mit den Schlagworten von steigendem Wirtschaftstwachstum und Aufstieg zum Global Player? Und bei all diesen Hintergrundinformationen will man der Weltöffentlichkeit dann plötzlich weis machen, dass man sehr wohl vom Westen abhängig und auf dessen Entwicklungsgelder angewiesen ist? Dass der weltweite Schadstoffausstoß ohnehin nur von den Industrienationen verursacht wird?
Der gescheiterte Klimagipfel von Kopenhagen hat uns vor allem die Irrtüme der Political Correctness des 21. Jahrhunderts aufgezeigt: Denn die internationale Staatengemeinschaft ist keineswegs näher zusammengerückt, ganz im Gegenteil: Wenn es hart auf hart kommt, kämpft nach wie vor jeder im Eigeninteresse – allen voran China.
Dienstag, 22. Dezember 2009
Eigeninteresse - allen voran China
Mittwoch, 11. November 2009
Winterliches Deja vus
Es gibt eine zugegeben nicht ganz unamüsante Anekdote aus den wirren Reformperioden der Kommunistischen Partei in den 1960er Jahren. Im Rahmen des sog. „Großen Sprung nach vorn“ wurden alle Chinesen zu jener Zeit zu höheren Produktionsvolumina (insbesondere von Getreide) aufgerufen um somit das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Was auf den Papieren simpel aussah (einfach mehr Felder bewirtschaften = höherer Ertrag), bewies sich in der Realität dann doch etwas schwieriger. Die Partei hatte nämlich die Rechnung ohne den Vögeln – insbesondere den Krähen - des Landes gemacht, die in kühleren Jahreszeiten zu Tausenden besagte Felder stürmten und verzweifelt alle auffindbaren Saatkörner verspeisten. Mit Erfolg. Das Resultat waren verheerende Misernten im Folgejahr und tiefe Falten auf den Stirnen der Parteikader. Irgendwas musste unternommen werden. So kam Vorsitzender Mao schließlich auf die glorreiche Idee: tötet alle Vögel, die euch in die Quere kommen und eure Ernten gefährden! Daraufhin zog das ganze Land ausgestattet mit Gewehren und Schießpulver in die Wildnis um an den vermeintlich harmlosen Tierchen Rache zu nehmen. Und in der Tat konnte man durch diese Aktion den Vogelbestand beträchtlich reduzieren. Leider hatte man dabei komplett auf die Auswirkungen für die komplette Nahrungskette vergessen, denn aus der plötzlichen Unterzahl an Vögeln resultierte nun eine explosionsartige Verbreitung anderer Schädlinge wie zB Heuschrecken, welche daraufhin ebenfalls wie die Vögel zuvor große Teile der Ernte vernichteten. Die Natur ist eben (un)berechenbar.
Es gehört zur Natur der Partei immer alles kontrollieren, keinen noch so kleinen Faktor vergessen und berechnen zu wollen, schlicht und einfach: der Herr im Haus sein. Das zeigt sich zum Beispiel bei der chinesischen Einheitszeitzone, die trotz der unglaublichen Größe des Landes (welche in Wirklichkeit mindestens 3 Zeitzonen erfordern würde) allen Regeln des Globus zum Trotz für das gesamte Staatsgebiet gilt und auf Peking ausgerichtet ist. Dafür scheint in Tibet halt um 22 Uhr noch immer die Sonne. Es zeigt sich aber auch, wenn die Partei wieder mal Wettergott spielt und hunderte Silberjodith Raketen in den Himmel schießt um dadurch das Wetter zu beeinflussen. Hintergrund: Dass Peking ein Smogproblem der Extraklasse hat ist nichts Neues. Jährlich erreicht die Luftverschmutzung der Hauptstadt während der Wintermonate traditionell ihre schlechtesten Werte innerhalb eines Jahres. Gründe hierfür sind vor allem der im Winter natürlich vorherrschende Tiefdruck, aber auch die Tatsache, dass noch immer viele Leute mit Kohle heizen. Der wie immer dichte Straßenverkehr sowie ortsansäßige Industriegebiete tragen ihr Übriges bei. Das alle wäre halb so wild, wenn da nicht noch das „Regenproblem“ wäre, denn parallel zu den immens hohen winterlichen Luftverschmutzungswerten bleibt jegliche Art von Niederschlag in den Wintermonaten traditionell aus. Es ist in Peking völlig normal, wenn es mit Winterbeginn mal locker für 6 Monate nicht regnet, auch Schnee ist trotz der eisigen Temperaturen (-15°C) eher eine Ausnahmeerscheinung - der Winter ist weitgehend kalt, aber trocken. Problem: Durch den ausbleibenden Regen kann die Luft nicht „reingewaschen“ werden – bei einer Smogbelastung wie sie Peking vorzuweisen hat ein ernsthaftes Problem. Erst Anfang November musste Pekings 6. Ringstraße sowie einige andere Expressways aus Sicherheitsgründen komplett gesperrt werden, da die Sichweite aufgrund schweren Smogs unter 1km (!) gesunken war.
Doch wir würden uns nicht in China befinden, wenn die politischen Führungskräfte selbst für solche Probleme keine Lösung parat hätten. Die Rede ist von dem sog. Wetterministerium, welches sich mit der der Erforschung und Manipulation von meteorologischen Bedingungen befasst. Salonfähig wurde die Wettermanipulation (welche in China bereits seit mehr als 50 Jahren erforscht und praktiziert wird) vergangenes Jahr mit den Olympischen Spielen. Denn trotz verschiedenster Umweltreformen bekam man den Smog in der Hauptstadt einfach nicht in den Griff. Überraschenderweise präsentierte sich Peking am Tag der Olympia Eröffnungszeremonie von seiner besten Seite – wolkenfreier Himmel und strahlender Sonnenschein. Das Wundermittel sind Silberjodith Raketen – ein Stück nicht wesentlich größer als eine Zigarette – die zu hunderten in den Himmel geschossen werden, dort eine chemische Substanz freisetzen und somit direkt das Wetter beeinflussen. So kann man auf Wunsch Sonnenschein oder Regen „erzeugen“. Durch die überraschende Zuverlässigkeit wurde das neue System schnell populär und immer öfters eingesetzt. So zum Beispiel im Herbst 2008, als nach einer langen Dürreperiode massive Ernteausfälle drohten. Doch nach bestelltem Regen waren die Erntebestände gerettet. Auch im Rahmen der 60 Jahr Jubiläumsfeiern am 1. Oktober 2009 kam das System wieder zum Einsatz um die Militärparade auf der Changanjie vor Smog zu bewahren.
So war es auch diesen November wieder mal Zeit das Wetterministerium anzurufen, denn wenn mehrere Expressways inklusive der 6. Ringstraße wegen Smogs (in den TV Nachrichten übrigens offiziell als „starker Nebel“ deklariert – was kompletter Schwachsinn ist, da es an besagtem Tag für Nebel viel zu warm war) gesperrt werden müssen, wird es selbst dem hartnäckigsten Parteikader zuwider. Es kann doch nicht sein, dass jemand – sei es selbst die Natur höchstpersönlich – der Partei einen Strich durch die Rechnung macht! Interessant an der ganzen Wettergottspielerei: Obwohl sich China die Wettermanipulation jährlich mehrere Millionen kosten lässt und das eigens entwickelte System aufgrund der Zuverlässigkeit auch genug Propagandastoff liefern würde, wird jeglicher Einsatz stets verschwiegen und nie offiziell angekündigt. Das wäre vielleicht auch ab und zu von Vorteil:
Das Resultat war ein bestellter Wintereinbruch über Nacht inkl. Temperaturabfall von mehr als 15°C und 30cm Neuschnee. Der nächtliche Schneesturm traf den Norden Chinas komplett unvorbereitet, das (eigentlich ohnehin schon immer vorhandene) Chaos war insbesodnere auf den Straßen der Millionenmetropole Peking vorprogrammiert. Die zahlenmäßig unausreichenden Räumungsfahrzeuge wurden erst zögerlich im Laufe des Tages auf die Straßen geschickt, der Großteil der Autofahrer hatte aufgrund der bis vor Kurzem herbstlichen Temperaturen noch immer nicht Winterreifen montiert, niedrige Fahrtgeschwindigkeiten und Staus waren die Folge. Hunderttausende Leute kamen nicht oder nur mit erheblicher Verspätung zu ihrem Arbeitsplatz, da das Fahrrad nach wie vor ein wichtiges Fortbewegungsmittel von Pekings Bevölkerung darstellt – doch bei 30cm Neuschnee auf ungeräumten Straßen gibt auch der härteste Optimist auf. In Folge wichen die Massen auf das ohnehin schon völlig überlastete öffentliche Verkehrssystem aus, welches jedoch bis auf die unterirdisch verkehrende Ubahn, ebenfalls komplett aussetzte. Am Beijing International Airport wurden über 100 Flüge gestrichen, mehr als 300 waren verspätet, der 300km entfernte Flughafen von Shijiazhuang musste sogar komplett schließen und alle Flüge bis auf Weiteres streichen, in der benachbarten Provinz Shanxi wurden landesweit alle Highways aus Sicherheitsgründen komplett gesperrt (!). Im weiteren Norden Chinas richteten verheerende Schneestürme Schäden in Millionenhöhe an.
Der Versuch seitens der Partei Gott zu spielen und sich über die Natur zu stellen ging (wieder einmal) gründlich daneben. Bei dem Versuch Unheil A zu beseitigen wird Unheil B erzeugt – das ursprüngliche Problem bleibt aber nach wie vor vorhanden. Den Vögeln folgen die Heuschrecken, die Misernten bleiben bestehen. Dem Smog folgt der Schneesturm, die unzureichende Sichtweite weiterhin vorhanden. Man köntte glatt von von einem winterlichen Deja vus sprechen.
Der Unterschied ist jedoch, dass die Partei heute im Gegensatz zu früher Gesicht bewahrt. Denn offiziell ist es ja bloß die Natur, die aufgrund des weltweiten Klimawandels verrückt spielt.
Dienstag, 6. Oktober 2009
Chinas neues Selbstbewusstsein
Nun war es also letztendlich so weit. China hat seinen 60. Geburtstag gefeiert – und zwar im großen Stil. Nachdem die letzten Wochen ohnehin überwiegend von den Vorbereitungen für die Feierlichkeiten geprägt war (Details siehe letzter Eintrag) war es am Vorabend bzw am 1. Oktober selbst nahezu unmöglich irgendwie diesem Massenspektakel zu entkommen. Auf nahezu allen TV Kanälen lief die Zeremonie, die Innenstadt Pekings war abgesperrt, das öffentliche Verkehrssystem der 15 Mio. Metropole lahm gelegt – als würde die Partei jedem suggerieren man brauche an diesem Tag ohnehin nicht das Haus zu verlassen, lieber solle man sich vor den Fernseher setzen und die Feierlichkeiten genießen.
Erwartungsgemäß präsentierte sich China an jenem ersten Oktober von seiner besten Seite. Unerwünschte Internetseiten wurden schon vor Monaten blockiert bzw deren Zensur verschärft (siehe vergangene Einträge) und während Peking in den Tagen vor dem Jubiläum noch in dicken Smog gehüllt war, präsentierte sich die Stadt am 1. Okotber bei wolkenlosem Kaiserwetter – das Wetterministerium hatte am Vorabend wieder einmal einige Sodium-Jodith Raketen in den Himmel geschossen.
Doch bevor es überhaupt soweit kam wurde noch seitens der Medien ordentlich Spannung bzgl der Jubiläumsfeierlichkeiten erzeugt. Am Vorabend gab es einen ausgedehnten Spezialreport (mehrere Stunden lang!) über die Vorbereitungen am Tiananmen Platz etc. Des Weiteren wurden in den Nachrichten stolz die Titelblätter jener ausländischer Magazine gezeigt, welche das chines. Jubiläum zum Thema hatten. Stolz wurden Interviews mit in China reisenden Touristen gezeigt, die sowieso alle nur die selben Phrasen droschen: fascinating, stunning economic growth, wonderful country, interesting culture usw – das sind die Dinge, die die Chinesen gern hören. Was man wiederum nicht so gerne hört sind die unzähligen Probleme Chinas, sowohl die der Vergangenheit als auch der Gegenwart. Dementsprechend waren Themen wie das Tiananmen Massaker oder die Kulturrevolution während den Feierlichkeiten (wie auch sonst) absolutes Tabu.
Schließlich begann um 10 Uhr Ortszeit der Festakt, Auftakt hierbei war eine Parade die unglaubliche zweieinhalb Stunden dauerte und aus zwei wesentlichen Teilen bestand. Zunächst eine Miltärparade und im Anschluss eine Parade, die anhand von Präsentationswägen - wie wir sie von anderen Großveranstaltungen (zB Love Parade etc) kennen – die glorreiche Geschichte Chinas erzählte. Zum Abschluss gab es dann noch für jede chines. Provinz einen einzelnen Wagen, der die Besonderheiten der jeweiligen Provinz in den Vordergrund stellen und nebenbei auch ein bisschen Tourismuswerbung betreiben sollte. Dass Taiwan unter jenen Wagen ebenfalls zu finden war, war an sich keine große Überraschung, allerdings war der Taiwan Wagen der am allerletzten präsentierte, offenbar wollte man hier eine Provokation vermeiden. Nach diesem Festzug war der erste Teil der Feierlichkeiten mal geschafft und den Zuschauern wurde eine Pause bis in die Abendstunden vergönnt, denn für 20 Uhr Ortszeit war ein zweistündiger Festakt mit Feuerwerk vorgesehen. Dieser Festakt stand der Parade vom Vormittag um nichts nach. Wenig verwunderlich, hatten doch die 200.000 (!) mitwirkenden Akteuere seit über einem Jahr auf diesen Tag hintrainiert. Des Weiteren war das Budget der gesamten Feierlichkeiten zehn mal so hoch datiert wie jenes für die Feierlichkeiten von Olympia 2008! Keine Frage, China griff für dieses Jubiläum sehr tief in die Tasche, waren doch die rein numerisch betrachtet viel bedeutenderen 50 Jahr-Feierlichkeiten anno 1999 nichts gegen jene von diesem Jahr.
China ist in den letzten Jahren extrem selbstbewusst geworden. Gründe dafür sind nicht nur der eigene wirtschaftliche Aufschwung, sondern auch die Vergabe von internationalen Veranstaltungen wie die EXPO oder Olympia an China – erst kürzlich ist der Gedanke für eine Bewerbung als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2018 wieder laut geworden. Doch das neu errungene Selbstbewusstsein hat auch seine Schattenseiten. Nationalistische Töne werden in China immer lauter – das, von dem man in Österreich zu wenig hat, hat man in China zu viel: Patriotismus. Das ist vor allem der Kommunistischen Partei zu verdanken, die sich eigentlich ihres Namens schämen sollte, denn abgesehen von diesem ist in China genau genommen eigentlich nichts mehr kommunistisch. Und wie es nunmal so ist, wenn man als Partei kein Programm in Form von Ideologie mehr präsentieren kann, muss man auf andre Mittel zurückgreifen. In China ist dies konkret eine „Wohlfühlkampagne“ mit einer Würze Patriotismus. Sei es der was weiß ich wievielte staatlich produzierte Kinofilm über die Errungenschaften der Partei, oder eines der unzähligen kitschig-patriotischen Musikvideos anlässlich eines Großereignisses – das Produkt China steht immer im Mittelpunkt und wird perfekt vermarktet, und zwar immer so wie es der Partei gerade recht ist: als Opfer oder als Held. China ist das Opfer in unzähligen dieser Tage ausgestrahlten Geschichtsdokus. Nach der Gründung bereits in der Weltstaatengemeinschaft ein Opfer, niemand will das böse neue kommunistische Reich anerkennen. Ende der 80er Jahre nach dem Beschluss des dritten Generationenwechsels in der Partei als Opfer, der Westen sanktioniert China mit politischem und wirtschaftlichem Embargo. FALSCH. Es stimmt zwar, dass der Westen oben angesprochene Sanktionen gegen China erlassen hat, allerdings nicht wie von China dargestellt aufgrund des Führungswechsels in der Partei, sondenr aufgrund der simplen Tatsache, dass China in diesem Fall nicht Opfer, sondern Täter im Zuge des Tiananmenmassakers 1989 war, was ein Waffenembargo sowie ein vorübergehendes diplomatisch gestörtes Verhältnis mit dem Westen zur Folge hatte.
Als Held wird China dann stilisiert, wenn man sich trotz der oben angesprochenen „Ungerechtigkeiten“ zum Global Player entwickelt hat. China ist Held, als Tibet „aus der Sklaverei befreit“ wird. China ist Held, als es durch die Reform & Öffnungskampagne Millionen Menschen aus der Armut in den Wohlstand hievt. China ist Held, als es den Leitzins seiner Währung während der Asienkrise anno 1997 im Gegensatz zu den meisten anderen ostasiatischen Staaten nicht absenkt und dadrch ein noch größeres Fiasko verhindert. China ist Held, als es nach einem erfolglosen Versuch (natürlich aufgrund westlicher Intrigen) im zweiten Anlauf anno 2001 endlich die Zusage für die olympischen Spiele bekommt. Ja noch besser: China ist sogar Held, als Hong Kong wieder in die landeseigene Verwaltung übertritt! Um es auf den Punkt zu bringen: China ist einfach das beste Land der Welt und schlichtweg das Zentrum von Ostasien. Und jeder, der irgendeinen Aspekt daran bezweifelt, hat China somit in seinen Grundfesten beleidigt und gedemütigt. Denn wie tief oben angesprochene Propaganda bereits in den meisten Menschen sitzt beweist mittlerweile eine simple Diskussion mit einem Durchschnitsschinesen. Hierbei muss man sich nicht einmal kontroversieller Themen wie zB Maos verfehlter Ideologiepolitik bedienen, es reichen ganz simple Kontroversen wie zB: „wie kommt die Partei dazu dermaßen viel Steuergeld für diese viel zu pompöse 60 Jahr Feier zu verwenden?“ Die Antworten reichen von „Wir müssen unser Land ehren“ über „Liebst du dein Vaterland denn nicht?“ bis hin zu „Nestbeschmutzer!“. Genau das ist Chinas Argumentationsproblem. Selbst kleinste Kritik an kleinsten Faktoren werden sofort auf das ganze Land umgelegt und als eine Beleidigung der Nation verstanden.
Anderes Beispiel gefällig? Vor wenigen Monaten hatte die berühmte chines. Schauspielerin Gong Li die singapurische Staatsbürgerschaft angenommen. Da in der VR China keine Doppelstaatsbürgerschaften möglich sind, wurde sie somit im Endeffekt reine singapurische Staatsbürgerin. Die Resonanz seitens der chines. Bevölkerung war enorm. Abgesehen von unzähligen öffentlichen Beschimpfungen (Vaterlandsverräterin etc) wurde u.a. zum Boykott ihrer Filme aufgerufen. Höhepunkt war ihr Ausschluss aus der China Film Association.
Es ist auch alles andere als Zufall, dass zu Zeiten des neuen chines. Selbstbewusstsein wieder die anti-japanischen Töne lauter werden. So wurde im August aus Anlass des Hiroshima Jubiläums in einem chinesischen BBS Internetforum ein Thread gestartet, der zum Inhalt kommentarlos Fotos von heute erwachsenen Hiroshima Opfern hatte. Die Antworten gingen schnell in die hunderte (der Thread ist mittlerweile einer der meistgelesensten in besagten Forum). Von Mitleidsantworten bis hin zu Racheaufufen war hier alles zu finden.
„Geschieht euch recht!“
„Haha, ich kann gar nicht aufhören zu lachen“
„Das sollten wir wiederholen“
„Threadstarter, bist du Japaner oder was?“
„Zum 100. Staatsjubiläum der VR China werden wir Japan von der Landkarte löschen“
„Die Welt wäre einfach besser ohne Koreaner und Japaner“
Ähnliche Antworten blieben eindeutig in der Überzahl. Klar. Das Internet ist eine eigene Welt und rein gar nicht mit der Realität oder gar der politischen Haltung Chinas vergleichbar. Auch wenn einige Kommentare aufgrund Anonymität im Internet überspitzt/übertrieben sein mögen, so zeigen sie doch welches Gedankengut in den Leuten steckt. Auch in der Realität kann sich der Großteil der Chinesen nicht vorstellen mit einem Japaner oder Koreaner verheiratet zu sein.
Anstatt dieser Entwicklung durch Aufklärungskampagnen entgegenzusteuern verschärft die Kommunistische Partei diesen Konflikt jedoch immer weiter indem sie ihre de facto nicht mehr vorhandene Ideologie durch Partiotismus (der mittlerweile in Nationalismus seitens der Bevölkerung ausartet) ersetzt. Doch man legt sogar noch nach: gerade eben bei den 60 Jahrsfeierlichkeiten ist es wieder einmal beängstigend ans Licht gekommen wie sehr man mittlerweile wieder versucht einen gewissen Personenkult in China zu etablieren. Abgesehen davon, dass Chinas derzeitiger Paramount Leader Hu Jintao ohnehin Thema Nummer eins in allen Nachrichtensendungen ist (der Satz „Heute hat Präsident Hu Jintao Land XY besucht“ gehört mittlerweile zum täglichen Repertoire einer jeden Newssendung), auch während der Jubiläumsfeierlichkeiten wird er als Vaterfigur inszeniert, Leute winken ihm föhlich zu, Kinder lächeln ihn an und halten seine Hände, Frauen tanzen mit ihm – und das ganze begleitet von heroischer Musik als er sich von seinem VIP Rang hinunter auf die Straße zum Fußvolk begibt. Aber nachstehende Aufnahmen stehen ja sowieso für sich (ebenso wie die Kommentare): http://v.youku.com/v_show/id_XMTIyNTY4ODY0.html
Was in unseren Augen lächerlich erscheint auf das ist man in China stolz. In den Folgetagen übte man sich in sämtlichen Medien im Selbstlob und sparte nicht mit Superaltiven. Selbst jetzt gerade, knapp eine Woche nach den Feierlichkeiten, laufen noch immer ganze Wiederholungen der Feierlichkeiten (immerhin summa summarum knappe 5 Stunden). Keine Frage, es war beeindruckend aber auch beängstigend. Beeidruckend weil es einfach unglaublich zum Ansehen ist und es schlicht nichts Vergleichbares im Westen gibt, der amerikanische Independence Day ist – wie man in Österreich so schön sagen würde – ein Lercherlschaß dagegen. Beängstigend deswegen, weil ich mir nicht erklären kann, warum ich beim Betrachten eigentlich regelmäßig Gänsehaut bekommen habe. Vielleicht ist es Chinas neues Selbstewusstein, das mir Angst einjagt.
Um im Namen des Abschlussliedes zu sprechen, mit dem die Feierlichkeiten beendet wurden: Wo de jia zhu zai xin li – Meine Heimat ist in meinem Herzen. Dieser Satz stand am 1. Oktober wohl stellvertretend für 1,3 Milliarden Menschen dieser Welt. Mindestens.
Donnerstag, 17. September 2009
Herbstplaudereien
Der Herbst hat Peking erreicht und mit ihm angenehmes Wetter begleitet von frischen Windbrisen und wolkenlosem smogfreien Himmel. Die Klimaanlage läuft schon seit Tagen nicht mehr und in der Nacht reicht es nicht mehr aus sich einfach mit einem Leintuch zuzudecken. Herbst – so meinen die meisten Pekinger – sei die schönste Jahreszeit in der Stadt. Das Wetter ist herrlich (nicht glühend heiß nicht frierend kalt), die Leute angenehm im Umgang (entspannt aus dem Somerurlaub zurück) und die Anzahl der Touristengruppen hat ihren Jahreszenit bereits überschritten. Man genießt die letzten warmen sonnigen Tage - ehe für ein halbes Jahr klirrende Kälte, Smog und kein Sonnenschein das Stadtbild dominieren werden – sitzt mit Freunden am Straßenrand oder im Park, plaudert über dieses und jenes. Und in der Tat, derzeit gibt es v.a. zwei große Themen für die Pekinger.
Großes Thema Nummer 1 ist die neue Ubahnlinie 4. Von einigen heiß erwartet von anderen verflucht hat sie bereits im Vorfeld ihrer Eröffnung die Gemütswellen der Bevölkerung hoch schlagen lassen wie keine Ubahnlinie bevor. Vor- und Nachteile von Linie 4 liegen klar auf der Hand, die da wären: positiv: eine äußerst gute (=praktische) Streckenführung, die neben div. Sehenswürdigkeiten (Sommerpalast, Beijing Zoo) und wichtigen Verkehrsknotenpunkten (Xizhimen, Beijing South Railway Station) auch endlich den westlichen Teil der sog. „Inneren Stadt“ (= alles binnen der 2. Ringstraße) an das Ubahnnetz anbindet, speziell für den Südbahnhof wurde das höchste Zeit. Negativ: Mit Eröffnung der neuen Linie am 28. September wird ein neues Tarifmodell eingeführt. Die derzeit gültige Flatrate zu 2 Kuai/Fahrt wird damit der Vergangenheit angehören, als neues Modell strebt man ein Tarifmodell mit den Konstanten Streckendistanz und Linienwechsel an, sprich: je länger man fährt und je öfter man Linie wechselt desto mehr bezaht man. Genaue Preise wurden noch nicht genannt, man kann aber davon ausgehen, dass sich die Pekinger Stadtregierung sehr nach dem Shanghaier Ubahnsystem richten wird (3-9 Kuai/Fahrt). Des Weiteren regt sich auch der Eine oder Andere auf, dass es im Gegensatz zum restlichen Ubahnsystem in Linie 4 nich gestattet sein wird Essen oder Getränke zu konsumieren – und das trotz nicht vorhandener Kebab-Infrastruktur.
Noch viel größeres Thema Nr. 2: Das 60jährige Jubiläum zum Bestehen der VR China. Für den 1. Oktober (chines. Nationalfeiertag, Proklamation der Volksrepublik) ist ein Spektakel der Superlative angekündigt. Wie alle zehn Jahre zuvor wird auch dieses Jahr eine gigantische Militärparade auf der Chang’An Jie, der längsten durchgehenden Straße in Beijing, abgehalten werden. Doch neben diesem Programmhöhepunkt wird es auch ein unglaubliches Nebenprogramm geben, in ähnlicher wenn nicht sogar noch massiverer Größenordnung wie seiner Zeit während der olympischen Spiele. Bereits im Vorfeld mussten zahlreiche Studenten ihre Ferien aufgeben um während des Sommers für die Jubiläumszeremonie, an der sie am 1. Oktober teilnehmen werden, täglich üben und trainieren. Dass hier natürlich von „Freiwilligen“ die Rede ist muss man in China ja schon gar nicht mehr erwähnen.
Doch egal welcher Gesellschaftsschicht man angehört, dem Thema 60Jahre Jubiläum entkommt derzeit niemand. Sei es im Internet, im Fernsehen, im Radio oder in den Printmedien, überall wird man damit derzeit konfrontiert. Und selbst Menschen, die keine Massenmedien konsumieren, werden durch Beeinträchtigung des öffentlichen Lebens so ganz nebenbei darauf aufmerksam gemacht, dass ihr geliebtes Vaterland demächst seinen 60. Geburtstag feiert. Beeinträchtigung des öffentl. Lebens? Das ist eigentlich zu Zeiten des Nationalfeiertages nicht Ungewöhnliches in Peking, kommen doch Jahr für Jahr Millionen Chinesen aus den hintersten Provinzen zu jener Zeit in die Hauptstadt um den Nationalfeiertag dort zu genießen und nebenbei ein bisschen Sightseeing zu betreiben. Das sämtliche Verkehrssystem – schon selbst mit den 15 Mio. Einwohnern Peking bereits am Limit operierend – bricht nun völlig zusammen, Touristenattraktionen sowie öffentliche Plätze oder Einkaufsstraßen sind dermaßen unangenehm überfüllt, dass man am liebsten keinen Fuß vor die Haustüre setzen will. Bereits letztes Jahr war es unerträglich, dieses Jahr wird es vermutlich noch um einen Grad schlimmer. Das Paradoxe an dem ganzen Treiben ist ja, dass man von dem eigentlichen Trubel – der Parade und der ganzen Zeremonie usw – als Bürger live überhaupt nichts mitbekommt. Natürlich wird das ganze Spekakel im Fernsehen zu sehen sein, aber die Chang’An Jie selbst wird großräumig für die Öffentlichkeit nicht betretbar sein. Eine Parade, bei der niemand daneben stehen und zusehen darf, sowas gibt’s auch nur in China.
Wie 2008 zu Zeiten von Olympia ist man auch dieses Jahr kurz vor diesem geschichtsträchtigen Ereignis auf Seiten der Partei sehr um Harmonie innerhalb der Bevölkerung bemüht. Umso ungünstiger kommen derzeit die ausartenden Injektionsnadelattacken in Chinas Problemprovinz Xinjiang (Details siehe Eintrag: Chinas Minderheitenproblem). Dementsprechend rasch versucht China derzeit die ganze Sache abzuschließen, hält Spontanverhöre ab und spricht Blitzverurteilungen gegen die Angeklagten aus, nur allzu schnell versucht man die Sache unter den Teppich zu kehren. Das Internet wurde mittlerweile einer weiteren Zensurwelle unterzogen, war es während des Sommers noch möglich mittels div. Proxyprogrammen auf gesperrte Seiten wie Facebook oder Youtube zuzugreifen, so ist dies nun auch wieder „unmöglich“. Und: „mysteriöserweise“ funktioniert seit kurzem mein taiwanesischer Fernsehsender nicht mehr bzw eingeschränkt. Mal ist kein Ton da, mal kein Bild, mal weder noch. Was für ein Zufall. Wie schon vor einem Jahr während der olympischen Spiele will China nicht nur das geringste Risiko bzgl Imageschaden eingehen und so einen Fleck auf seiner vermeintlich weißen Weste riskieren.
Parallel dazu läuft derzeit auf allen Massenmedien eine Art Wohlfühlkampagne, die offenbar die Stimmung in der Bevölkerung kurz vor dem Nationalfeiertag heben soll. Alle zwei bis drei Tage wird der ganze Bereich um den Tiananmen Platz (dem Zentrum der Jubiläumszeremonie) für Proben abgesperrt, Verkehr blockiert, Touristen abgeschottet und Ubahnen durch die betroffenen Stationen nonstop durchgejagt. Am nächsten Tag sieht man dann in den Breaking News die brav übenden Leute im Gleichschritt marschieren, singen oder tanzen. Gleichzeitig berichten TV Shows und Internetseiten mit aufregenden Fotos vom Training der Soldaten in den Kasernen. Hier wird einem klar gemacht: der 1. Oktober 2009 wird der sicherste Tag in China während des ganzen Jahres werden. Neben Einsatzvideos von Häuser stürmenden Spezialkommandos und exerzierenden Soldaten sieht man jedoch auch den offensichtlich lockeren und fröhlichen Alltag der Mannschaft, da werden schon mal gern Fußball-, Mahjiang- oder Seilziehen Tourniere ausgetragen. Und gelächelt wird dabei sowieso immer. „Unseren Soldaten geht es wirklich gut“, der unvermeidliche Kommentar der Off Sprecherin. Was für ein Zufall, dass derzeit die meisten Schüler ihre drei „Armeetage“ abhalten (in diesen drei Tagen werden sie in das Grundlegende der Armee eingeführt und können sich danach entscheiden ob sie sich verpflichten oder nicht).
So wie sich das Chinas Bild im Westen während der vergangenen 60 Jahren gewandelt hat, hat sich auch die Propaganda verändert. Vorbei sind die Zeiten kommunistischer Plakate mit Waffen gen Himmel haltend brüllenden Revolutionären. Im 21. Jahrhundert geht man viel dezenter vor. Mittlerweile für China schon fast unumgänglich sind die kitschigen (Propaganda)Musikvideos/Lieder geworden, welche jedes mal rund um ein wichtiges Ereignis speziell produziert werden. Derzeit wurde folgender Song extra für das 60 Jahre Jubiläum veröffentlicht:
http://v.youku.com/v_show/id_XOTQyNjIyNTY=.html
In dem u.a. von Jackie Chan gesungenen Lied geht es grundsätzlich um ein Wortspiel. Das chines. Wort für Staat lautet "guojia", welches sich wiederum aus „guo“ und „jia“ zusammensetzt. „guo“ bedeutet soviel wie Land/Gebiet während „jia“ schlicht für Familie steht. Der Text geht das ganze Lied über in die Richtung „Mein Land/Gebiet ist mein Land/Gebiet, meine Familie ist meine Familie // Ich liebe mein Land/Gebiet, ich liebe meine Familie etc“, währenddessen sind im Video Familien aus den verschiedensten Teilen Chinas zu sehen - klar, dass China trotz immenser Minderheitenprobleme wieder einmal seine vermeintliche multikulturelle Harmonie betonen muss. Zum Höhepunkt werden zum Schluss die zwei Worte zum Wort „guojia“ zusammengefügt, der Liedtext ändert sich in „ich liebe meinen Staat [=VR China]“ und schon sieht man die im Wind wehende chines. Flagge. Perfekte Propaganda, als harmlos wirkendes Musikvideo vermarktet.
Eines ist bereits jetzt klar. China bzw. die Partei geht als großer Gewinner aus diesem ganzen Jubiläumsspektakel hervor. Im Vergleich zu vor 60 Jahren agiert man selbstbewusster denn je, unterstreicht seinen Anspruch auf die Rolle des Global Players noch kräftiger. Zumindest nach außen hin präsentiert man sich als starkes einheitliches Land mit glorreicher Zukunft. Doch unter dieser resistenten Kruste befindet sich ein weicher Kern mit vielen ungelösten Konfliktherden. China Wirtschaft stagniert, 100.000e sind durch die Krise arbeitslos geworden. Auch wenn man im internationalen Vergleich noch mit einem blauen Auge davon gekommen ist, so wird man sich in Zukunft doch daran gewöhnen müssen mit der Zeit immer mehr Investoren nach Indien, dem neuen Zukunftsmarkt, abwandern zu sehen. Doch neben wirtschaftlichen Problemen sind es vor allem die sozialen Themen, die massives Konfliktpotential in sich bergen. Nach wie vor ungelöst ist da das Minderheitenproblem, allerm voran die Unruheregionen Xinjiang & Tibet. Denn eines ist klar, die Tibetunruhen letzten Frühling sowie die diesjährigen Xinjiangaufstände waren vor allem ethische Konflikte. Doch auch die restl. Bevölkerung ruhig halten zu können wird sich als schwierig gestalten. Trotz Reformen blüht die Korruption seitens Parteikader auf Kreisebene wie eh und je, der Unterschied zwischen Stadt und Land wird immer eklatanter, Massenmigartion in städt. Gebiete sowie brach liegende unbewirtschaftete Felder sind die Folge. Wenn hier rechtzeitig nicht gegengesteuert wird ist eine Lebensmittelknappheit größerer Kategorie unumgänglich. Des Weiteren haben Krisen wie SARS anno 2003 und die diesjährige Schweinegrippe nicht nur die Schwächen des im Grunde genommen nicht vorhandenen chines. Gesundheitssystem sowie der Krankenversorgung, sondern auch viel mehr die mit zunehmender Bedrohung rapide sinkende Zivilcourage innerhalb der Bevölkerung aufgezeigt – einig im sozialen Sinne war das Land zuletzt unter der gescheiterten Reformpolitik Maos.
Dienstag, 1. September 2009
Nordkorea Reisebericht
Nordkorea ist wohl eines jener Länder von denen man nichts weiß, trotzdem oder gerade deswegen ist es so interessant für den einen oder anderen dort hinzufahren. Während andere als Traumziel Malediven oder Thailand nennen , so findet sich auf meiner Lister aller Wunschreiseziele seit jeher Nordkorea abgeschlagen auf Platz 1. Nach einem Semester arbeiten und Geld sparen hatte ich dann im Endeffekt das benötigte Kleingeld für einen Urlaub meiner Wahl beisammen. Ursprünglich war ein Trip nach Tibet geplant, doch aufgrund der Xinjiang Aufstände und der daraus resultierenden strengeren Einreisebestimmungen für Ausländer in die gesamte Westregion Chinas hatte sich dies erübrigt. Die Entscheidung war gefallen.
Reisen in Nordkorea ist anders, es ist kein Urlaub, sondern vielmehr eine Erfahrung – und was für eine! So ist zB individual reisen in Nordkorea unmöglich. Es wird nie geschehen, dass man als Tourist alleine durch die Straßen gehen kann. Man hat stets zwei Reisebegleiter dabei, offiziell um dem Touristen als Reiseführer zu dienen, inoffiziell aber ebenso um den Touristen zurechtzuweisen, auf ihn aufzupassen, ihm zu sagen was er fotografieren darf und was nicht, wann er sich vor welcher Statue zu verbeugen hat und wo er Blumen für welches Monument kaufen soll(t)e. Wer nach Nordkorea fährt muss sich mit dem Gedanken anfreunden an einer bombastischen Propagandatour quer durch das Land teilzunehmen. Kritik am Kommunismus, Nordkorea, Kim Il Sung, Kim Jong Il, der Juche Ideologie oder ähnlichem ist völlig fehl am Platz und kann im schlimmsten Falle in einem Abbruch der Reise enden. „Hier geht es nicht darum wer Recht und Unrecht hat, es geht darum neue Perspektiven kennen zu lernen“, so schilderte es mir meine Reisegesellschaft beim Pre-Briefing, einen Tag vor der Abreise nach Pyongyang.
Es gibt wenige Reisegesellschaften, die mit der Genehmigung Nordkoreas Touren nach Nordkorea organisieren dürfen. In meinem Fall handelte es sich um eine britische Reisegesellschaft mit Sitz in Beijing, ausschließlich auf Reisen nach Nordkorea spezialisiert. Unsere Tourgruppe bestand aus 15 Leuten, großteils Engländer bzw Europäer. So ging es dann also Mitte August für knapp eine Woche nach Nordkorea. Als ich im Jänner nach Japan reiste musste ich im Nachhinein feststellen, dass man sich in Japan wie 15 Jahre in der Zukunft vorkommt. In Nordkorea verhielt es sich jedoch wie eine Reise 40 Jahre zurück in die Vergangenheit. Bereits das Flugzeug der nordkoreanischen Fluglinie Air Koryo – eine in den 60ern von den Sowjets erbaute Tupolev Tu-204 - hatte zumindest vom Design her viel an Nostalgie zu bieten, mal ganz abgesehen von der fehlenden Lärmdämmung während des Flugs und der offensichtlich undichten Kabinendecke, aus der die ganze Zeit Wasser heruntertropfte. Auf dem 90 Minuten Flug nach Pyongyang war das Service aber erstaunlich gut, warme Mahlzeit inklusive. Interessant: Cola gab es an Bord nicht, Stichwort amerikanisches Produkt.
Pünktlich am Flughafen Pyongyang angekommen hieß es dann erstmal Uhren um eine Stunde nach vorn stellen, Zeitverschiebung. Dann ab zum Flughafenhauptgebäude, das original geschätzte 20 Meter tief ist. Auf diesen 20 Metern sind – lediglich durch ca 1,80m hohe Glaswände voneinander getrennt - Einwanderungskontrolle, Gepäcksausgabe und Zoll sowie Wartehalle untergebracht (!!). Beim Zoll wurden Handys eingesammelt (Handyverbot für Ausländer) und v.a. Kameras genau überprüft, da Objektivlinsen ab einem gewissen Durchmesser in Nordkorea verboten sind (Stichwort Journalisten haben in Nordkorea Einreiseverbot). Danach ab in die Wartehalle unsere Tour Guides treffen und auf die restl. Gruppe warten. Zu dem Zeitpunkt war am Flughafen verhältnismäßg viel los, da kurz zuvor auch eine Maschine aus Vladivostock angekommen war – zusammen mit unserem Flug die einzigen zwei Flüge an diesem Tag.
Danach ging es mal gleich ab in den Tourbus Richtung Pyongyang. Bereits auf der Fahrt dorthin zeichnete sich das vermutete ab: absoluter Schock. Irgendwie konnte ich es nicht glauben wirklich in Nordkorea zu sein. Häuser, die bei uns max. als Bauruine durchgehen würden, werden hier bewohnt, Leute sind simpelst gekleidet und dürr, keine Autos weit und breit, ebenso keine Fahrräder, keine Straßenlaternen, an jeder 3. Ecke ein Propagandagemälde, weibliche Verkehrsregler anstelle von Ampeln, ich wollte es nicht wahrhaben. Alles fühlte sich so surreal an. Ich war in Nordkorea! Doch am surrealsten inmitten dieser vermeintlichen Zeitreise waren die Menschen selbst! Was kennen wir schon von Nordkorea, welcher Bilder schwirren in unseren Köpfen herum? Das einzige das wir mit Nordkorea assoziieren kennen wir aus den Abendnachrichten: in den Himmel schießende Raketen, Militärparaden, Aufnahmen eines nie lächelnden leicht übergewichtigen Führers, aber was ist mit der Bevölkerung? Wir haben keine Vorstellung, kein Bild in unserem Kopf, von den normalen Menschen, dem „Fußvolk“. Und nun plötzlich sind sie da, und machen mich sprachlos, obwohl es doch nur Menschen sind! Wenn man im Westen von Nordkorea redet wird mal schnell vom Bösewicht geredet, von der Achse des Bösen, von Terroristen. Allein die Reaktion „Was? Bist verrückt? Da wirst ja entführt werden!“ 90% meiner Freunde auf die Aussage, dass ich demnächste nach Nordkorea fahre, spiegelt das westliche Denken über dieses Land nur allzu deutlich wieder. Und nun im Kontext dazu sieht man diese armen Leute. Leute wie du und ich, Leute die lachen, miteinander sprechen, nicht im Stechschritt sondern ganz gemütlich die Straße entlang schlendernd. Und plötzlich fühlt man Mitleid und Reue.
Während all diesen Eindrücken erzählt mittlerweile unsere Reiseleiterin über die Geschichte des Landes, doch wirklich zuhören tut eh fast niemand, jeder ist zu beschäftigt diese Flut an Impressionen und Informationen, die da außerhalb der Busfenster an uns vorbeizieht, zu verarbeiten. Interessant ist jedoch, dass nie von „Nordkorea“ oder „dem Norden“ die Rede ist. Es wird jedes mal der Ausdruck „Korea“ verwendet, da „die Teilung Koreas eine von den amerikanischen Aggressoren künstlich herbeigeführte Staatenbildung verursachte“, daher gebe es nach wie vor nur ein wahres Korea, das es nun zu vereinen gelte. Im Gegenzug ist aber auch nie von „Südkorea“ die Rede, viel eher greift man zu Begriffen wie „der Süden“ oder gar „die Amerikaner“.
Im Hotel angekommen wird man dann mal schnell von der kargen nordkoreanischen Realität zurück in die westl. Spaßgesellschaft katapultiert. Bei dem Hotel, in dem ausschließlich alle nach Pyongyang reisenden Touristen untergebracht werden, handelt es sich um ein Luxuxhotel der Spitzenklasse, auf einer eigens errichteten Insel mitten auf dem Taedong River. Hier befindet sich alles, was das westl. Konsumherz höher schlägen lässt. Unzählige Restaurants & Cafes, Souvenirshops, Bücherläden, Bowlinghalle, Casino, ein eigener Nachtclub, Sauna, Wellness Center, Golfplatz, Swimming Pool, Driving Ranch, Tennisplätze, BBQ Grillplatz, ja sogar ein eigenes Fußballfeld mit extra zugebautem Stadion (!!) lassen sich auf dieser Insel finden, selbstverständlich rund um die Uhr verfügbar. Mein Zimmer liegt im 27. von 47 Stockwerken und die Aussicht auf das abendliche Pyongyang ist wunderschön. Als Fernsehsender hat man eine kleine Auswahl an nordkoreanischen, russischen, chinesischen und japanischen Sendern, darunter befindet sich auch als einzig englischsprachiger Sender BBC World. Das nordkoreanische Fernsehen entpuppt sich nicht so interessant wie vl. Angenommen. Unter der Woche gibt es einen Sender, der ca 5 Stunden lang am Abend und am Vormittag sendet. Am Wochenende gibt es noch zwei zusätzliche „Unterhaltungssender“. Am Hauptsender laufen neben den täglich einmal laufenden Nachrichten (bekannt aus den westl. Nachrichten, wenn Nordkorea wieder mal irgendetwas angestellt hat) fast ausschließlich Propagandalieder in Karaokeversion mit schönen Naturaufnahmen und Untertitel als Musikvideo zum Mitsingen. Auch das Radioprogramm unterscheidet sich nur geringfügig.
In der Nacht wird in ganz Nordkorea aus Geldgründen der Strom abgeschalten, unser Hotel hat jedoch einen eigenen Generator und somit auch übernachts Strom. Ganz Pyongyang ist dunkel, nur der Juche Tower sowie die 20 Meter hohe Kim Il Sung Statue sind beleuchtet. Die Stadt ist totenstill, man hört kein Auto, keine Menschen, keine Musik, keine zerbrechenden Glasflaschen. Der Sternenhimmel ist dermaßen klar, dass man sogar Teile der Milchstraße erkennen kann. In dieser Nacht schlafe ich nicht gut. Ich bin viel zu aufgeregt, kann es noch immer nicht fassen hier zu sein.
Am nächsten Tag heißt es um 6 in der Früh aufstehen, auf dem Programm stehen die Fahrt zur demilitarisierten Zone (DMZ, nicht kundige bitte googlen) im Süden des Landes. Die Fahrt mit dem Bus dauert knappe 4 Stunden. Die Autobahn von Pyongyang nach Kaesong (Stadt naher der DMZ) ist zwar relativ neu, wird aber trotzdem momentan renoviert. Ständig sind Teilabschnitte gesperrt, was uns zum Ausweichen auf kleinere Bundes- oder Nebenstraßen zwingt – zu unserem Glück. Denn diese Straßen führen direkt durch kleine ländliche Dörfer, für mich als 0815 Tourist gibt es wohl kaum etwas interessanteres. Trotz Verbots fotografiere ich ständig heimlich aus dem fahrenden Bus heraus. Man sieht Leute auf dem Feld oder am Rand der Straße arbeiten, Kinder baden derweil aufgrund des heißenWetters im örtlichen Bach und winken uns fröhlich zu, wenn wir an ihnen vorbei fahren. Zwischen dem ganzen Ortsgetummel immer wieder kleine Soldatentruppen, die der lokalen Bevölkerung offenbar bei der Landarbeit zur Hand gehen. Sie sind unbewaffnet, lediglich der Kommandant hat ein Gewehr (ähnlich einer Ak47) um den Rücken gehängt. Zwischen den einzelnen Ortschaften herrscht karge Einöde. Entlang der Schotterstraße windet sich eine Stromleitung, befestigt an ca 3 Meter hohen Holzstrommasten – die hohen Stahlmonster aus dem Westen haben hier noch nicht Einzug gehalten. Auf den Feldern sieht man während der Mittagshitze niemanden arbeiten. Alle haben sich in eigens zu diesem Zweck errichtete kleine Strohhütten zurückgezogen, wobei der Begriff Hütten übertrieben ist. Vielmehr erinnert das Gestell, an 2 Seiten offen und mit einem Strohdach bedeckt, an einen Unterstand. Dort ruht man bis zum Nachmittag, wenn die Hitze wieder erträglicher wird. Meist sind die Wohnhäuser der Bauern so weit von deren Feldern entfernt, dass es sich nicht auszahlen würde nach Hause zu gehen, dafür gibt es diese Unterstände. Und in der Tat gibt es auf dem Land kein mobiles Fortbewegungsmittel. Öffentlicher Verkehr exisiert sowieso nicht, Autos und Fahrrad kann sich keiner leisten, Ochsen nur die wenigsten, also wird einfach zu Fuß gegangen. Es ist unglaublich wie viele Menschen man zwischen 2 Ortschaften in vermeintlicher Einöde gehen sieht.
Kurz nach Mittag sind wir dann letztendlich an der DMZ angekommen. Nach einer kurzen Einweisung anhand eines Offiziers der Armee beginnt auch schon die Führung. Zuerst bringt man uns in ein kleines Gebäude, in dem seiner Zeit das Waffenstillstandsabkommen nach dem Koreakrieg unterzeichnet wurde. Seitdem ist das Gebäude ein Museum über den Koreakrieg. Stolz erzählt uns der Offizier über den Sieg der Nordkoreaner gegen den „amerikanischen Aggressor“. Hier wird kein Hehl daraus gemacht, dass man die Amerikaner hasst, denn „sie haben ja die Trennung Koreas herbeigeführt“, „but we respect all the people who love the world piece“ wird dann jedoch noch diplomatisch hinzugefügt. Des Weiteren – so erläutert der Pffizier weiter - betrachtet man sich als Sieger des Koreakriegs, weil die nordkoreanische Armee zum Zeitpunkt des Krieges gerade mal zwei Jahre alt war. Die Amerikaner hingegen hätten eine über Jahrhunderte hinweg dauernde Erfahrung in Kriegsführung. Dass es der nordkoreanischen Armee unter diesen Umständen trotzdem gelungen ist einen „Gleichstand“ in Form des Waffenstillstandes zu erringen, sei simpel als Sieg anzusehen. Danach geht es weiter zur wirklichen Grenze zwischen Nordkorea, gekennzeichnet durch eine am Boden befindliche Linie. Links und rechts davon jeweils nord- bzw südkoreanische Wachposten, die sich gegenseitig anstarren. Wir alle kennen diese Szene aus dem Fernsehen, doch wenn man sie dann in realitas sieht wird einem erst wirklich die Perversität des ganzen Koreakrieges mitsamt seinen Folgen bewusst. Tausende Familien für ewig auseinander gerissen, getrennt durch eine ca 30cm breite Waschbetonlinie.
Im Anschluss heißt es Abschied nehmen von der DMZ, es geht per Bus weiter zu einem anderen Ort nahe der DMZ. Die ganze Anlage ist abgeschieden mitten am Land auf einem Hügel erbaut und erinnert stark an einen Bunker, gut gertarnt. Es handelt sich um ein einzelnes kleines Häuschen. Von dort aus lässt sich per Fernstecher eine Mauer in ca 2km Entfernung erkennen, genau an der innerkoreanischen Grenze. Diese Mauer wurde laut Auskunft des anwesenden nordkoreanischen Offiziers in den 70ern oder 80ern (hab das genaue Datum vergessen) seitens der Südkoreaner errichtet. Sie ist durschnittlich 3 - stellenweise sogar 6 - Meter hoch und ist im Querschnitt wie eine Stufe angelegt. Sprich die südkoreanische Seite ist erhöht und man kann locker in den Norden eindringen, allerdings nicht umgekehr. Dies soll nach Auskunft des Offiziers verhindern, dass Nordkoreaner in den Süden flüchten. Ich hatte noch nie zuvor von der Mauer gehört, aber grundsätzlich kann ich dieser Geschichte wenig Glauben schenken da aus dem Norden kommende Flüchtlinge im Süden immer besonders herzlich empfangen & aufgenommen werden. Das ganze hatte also einen etwas fahlen Beigeschmack von Propaganda. Diese Mauer wird seitens der Nordkoreaner übrigens auch stets als einer der Hauptgründe angeführt, warum die Wiederverinigung der beiden Länder nicht funktionieren kann. „So lange es die Mauer gibt, wird es kein vereintes Korea geben“. Dies ist vor allem wichtig in der nordkoreanischen Argumentation rund um die Wiedervereinigung. Auf der einen Seite hat man uns dutzende Male versichert, dass die Wiedervereinigung nach wie vor Nordkoreas wichtigstes politisches Ziel sei, allerdings seien alle noch so krampfhaften Bemühungen seitens des Nordens umsonst, wenn der Süden nicht zu einer Wiedervereinigung bereit sei(!!).
Danach ging es zurück nach Kaesong City um Mittag zu essen. Auffällig hierbei war erstmals die noch viel größere Armut im Vergleich zu anderen Großstädten wie zB Pyongyang. Natürlich war das Fotografieren wieder mal verboten (wirklich gehalten hat sich dann aber eh niemand dran) und das Restaurant mitten in der Stadt war natürlich in einem schöneren Viertel gelegen. Zumindest auf den ersten Blick. Denn mal abgesehen von dem sowohl von außen als auf von innen, sehr schön hergerichteten Restaurant selbst, befanden sich auch alle benachbarten Gebäude in einem für Nordkorea überraschend guten Zustand. Irgendwas musste faul sein. Und tatsächlich. In einem Moment der Unaufmerksamkeit seitens der Tour Guides schlich ich mich schnell um die Ecke eines dieser besagten schönen Häuser und siehe da: Während die Hausfront im himmelfarbenen Blau strahlte, bröckelte auf der Hinterseite der Lehm bereits von der Wand, von Farbe weit und breit keine Spur – das ganze erinerte mich sehr an ein Filmset, so kann man natürlich auch eine Scheinwelt vortäuschen.
Der Nachmittag verlief dann eher unspektakulär. Wir besichtigten ein Museum über antike koreanische Geschichte inkl. Fünden von Grabbeigaben etc und danach einen Grabhügel eines längst verstorbenen Königs. Im Anschluss wieder zurück nach Kaesong City zu unserem Hotel, welches weitaus bescheidener war als jenes in Pyongyang. Kein Warmwasser, kein Strom, gegessen wurde dann im Speisesaal des Hotels mit Taschenlampen, mal was anderes.
Der dritte Tag unserer Reise hat begonnen und mit ihm einer der wichtigste Feiertage im Land: Tag der Befreiung von der japan. Okkupation. Dementsprechend viele Menschen sind auf der Straße zu sehen, bis auf wenige Ausnahmen hat heute jeder frei. Zunächst geht es mal mit dem Bus zurück Richtung Pyongyang, stundenlang über autoleere Highways, durch unbeleuchtete Tunnell, vorbei an unzähligen ländlichen Dörfern. In Pyongyang angekommen widmen wir uns gleich dem Liberation Museum, passend zum heutigen Feiertag. Das Museum, welches sich ausschließlich dem Widerstand gegen die Japaner und Amerikaner widmet, ist unglaublich groß und wirklich interessant, leider werden wir von der Museumsführerin wie aufgescheuchte Hühner durchgejagt – immerhin hätte die Museumswärterin heute frei, wenn da nicht wir Touristen wären. Somit bleibt leider wenig Zeit sich alles in Ruhe anzusehen. Schade.
Danach geht es auf zum Taedong River, wo sich die USS Pueblo, ein „Spionageschiff der Amerikaner“, welches Ende der 60er Jahre von den Nordkoreanern gekapert wurde, befindet. Stolz führt man uns durch das Schiff, das für eine Besatzung von ca 80 Personen ausgelegt war. Des weiteren gibt es noch einen Spionagetorpedo der Amerikaner zu besichtigen, welcher anno 2004 von den Nordkoreanern abgefangen wurde.
Nach dem Mittagessen geht es zunächst in einen lokalen Park, der voll von Menschen ist. Die meisten von ihnen sind in traditionellen koreanischen Gewändern gekleidet, spielen mit ihren Kindern, tanzen und singen miteinander. Jeder scheint Spaß zu haben und diesen freien Tag so gut wie möglich zu genießen. Unsere Anwesenheit trübt die Stimmung dabei kein bisschen, ganz im Gegenteil, fröhlich werden wir empfangen, einige Leute haben das Vergnügen mit einigen Koreanern zu tanzen. Im Anschluss geht es noch auf einen Hügel des Parks, von dem man eine super Aussicht auf Pyongyang hat, leider herrscht an diesem Tag keine gute Fernsicht. Danach geht es noch auf einen Sprung zu Kim Il Sungs Geburtshaus vorbei, in einem andren Park ca 10 Autominuten entfernt. Zugegeben dieser Nachmittag hätte spannender ausfallen können, aber dafür steht am Abend mein persönliches Highlight der ganzen Tour auf dem Programm – die Arirang Mass Games, oder schlicht Massengymnastik.
Diese finden im Mayday Stadion statt, das mit 150.000 Sitzplätzem gemessen an Kapazität größte Stadion der Welt. Und so gigantisch wie das Stadion selbst sind auch die Arirang Mass Games. Nicht weniger als 100.000 Teilnehmer zählt dieses spektakuläre 90 Minuten lange Event, welches jährlich von Mitte August bis Mitte September abgehalten wird. Selbst 5 Jährige nehmen an der Veranstaltung teil, und wenn man sieht wie diese unzähligen Kinder in ihren schnuckeligen Kostümen unglaubliche Kunststücke synchron en masse ausführen weiß man nicht ob man lachen oder weinen soll. Zu versuchen die Mass Games mit Worten zu beschreiben oder zusammenzufassen hat wenig Sinn, nicht einmal Fotos hinterlassen jenen Eindruck, den die Live Performance auf mich hinterlassen hat. Ich möchte deswegen auch nicht weiter auf die Arirang Games eingehen, ich denke die Fotos auf meiner Facebook/StudiVZ Seite sprechen sowieso Bände. Summa summarum kann ich jedoch sagen, dass die Mass Games – wie erwartet – das absolute Reisehighlight waren. In Euphorie gebadet kommen wir spätabends zurück ins Hotel und können noch immer nicht fassen was sich gerade eben vor unseren Augen abgespielt hat.
Der letzte Tag unserer Tour markiert auch zugleich den aus politischer Sicht wichtigsten Tag, denn auf dem Programm stehen u.a. das Kim Il Sung Maosuleum sowie die Kim Il Sung Statue. Zeitig in der Früh geht es an diesem Sonntag bereits per Bus zum Maosuleum, in dem Fotografieren strengstens verboten ist. Beim Mausoleum handelt es sich um einen unglaublichen riesigen Gebäudekomplex, der über einen unendlich lang erscheinenden Seitenflügel betreten wird. Im Seitenflügel befinden sich waagrechte Förderbänder – wie in Flughäfen - , welche es zu verantworten haben, dass wir ca 15 Minuten in der Haupttrakt benötigen. Denn als das Mausoleum seiner Zeit eröffnet wurde, gab es noch keine Förderbänder, Menschenmassen marschierten die unendlich langen Gänge entlang. Ergebnis: viel Lärm, was einem Mausoleum nicht unbedingt gerecht wird, deswegen seitdem die Förderbänder um Ruhe in den heiligen Hallen walten zu lassen. Schlussendlich erreicht man das Hauptgebäude in dem zunächst einmal in der Garderobe alles nur denkbare Mögliche abgegeben werden muss. Feuerzeug, Handy, Kamera, ja sogar Medikamente. Leute, die nicht entsprechend gekleidet sind (das bedeutet konkret für Männer Hemd und Krawatte, für Frauen elegantere Kleidung und keine Flip Flops oder trägerlose Tops), werden gebeten das Gebäude zu verlassen. Danach geht es durch eine schmale Stelle mit am Boden befindlichen sich drehenden Bürsten, die die Schuhe der Besucher reinigen sollen. Anschließend betritt man einen (im Wesentlichen leeren) Raum, in dem man eine mp3 Audio Führung bekommt. Inhalt der knapp 5 Minuten langen Führung ist hauptsächlich Kim Il Sungs wichtigstes Anliegen: die Befreieung Koreas von der japanischen Besatzung. Dementsprechend anti-japanisch ist die ganze Führung gehalten, umso witziger, dass die mp3 wiedergebenden Diktiergeräte ausgerechnet von Sony stammen. Danach geht es per Aufzug einen Stock höher Richtung „Grabkammer“. Kurz vor Betreten des „heiligen Raumes“ wird man noch schnell durch eine ca ein Quadratmeter große und ca zwei Meter hohe „Windkammer“ durchgejagt, in der aus allen erdenklichen Richtungen starker Wind aus verschiedenen Düsen in der Wand bläst. Der Grund dieser Kammer liegt darin, dass niemand dem großen Führer mit Staub o.ä. auf seinem Gewand gegenübertreten soll. Dann ist es letztendlich so weit. Wir betreten in Vierer Grüppchen den großen kühlen Raum, in der Mitte in einer gläsernen Vitrine ist Kim Il Sung aufgebahrt. Man selbst befindet sich ca 3 Meter von ihm enfernt, macht an jeweils 3 Seiten des Sarges eine Verbeugung und verlässt im Anschluss den Raum wieder. Das ganze Spektakel dauert nicht länger als 30 Sekunden, trotzdem gibt es Menschen, die aus den hintersten Provinzen des Landes extra dafür angereist sind. Nach dem Höhepunkt lässt die Spannungskurve eklatant nach. Es gibt einen Raum, in dem man alle Dienstreisen des Kim Il Sungs sowie seinen Dienstwagen (Mercedes S 600) bewundern kann, sowie einen Raum, in dem alle nationalen und internationalen Orden oder Auszeichnungen für den großen Führer ausgestellt sind. Und man glaube es kaum: Auch Österreich hat einst in den 70ern den großen Führer geehrt, genauergesagt die Uni Inssbruck. Für was genau ist dann aber leider auch nicht erklärt gewesen.
Nach diesem doch recht imposanten Gesamteindruck geht es weiter Richtung Heldenfriedhof, ein Friedhof auf dem sich alle Offiziere, welche in der Revolution gegen die japanische Besatzung gefallen sind, befinden. Die ganze Anlage befindet sich am Rande Pyongyangs auf einem Hügel mit tollen Ausblick auf die Stadt. Zu guter Letzt wird noch ein Blumenstrauß im Namen der Gruppe gekauft und vor dem Heldendenkmal niedergelegt – begleitet von einer gemeinsamen Verbeugung. Im Anschluss geht es auch schon weiter zur 20 Meter hohen Kim Il Sung Statue mitten in der Stadt. Auch dort gilt wieder die übliche Prozedur des Blumen Kaufens und sich Verbeugens. Hierzu möchte ich nebenbei erwähnen, dass wir zu keinem Zeitpunkt gezwungen wurden Blumen zu kaufen oder uns zu verbeugen. Es wurde uns lediglich immer mit den Worten „it would be nice if you pay respect to our great leader Kim Il Sung“ nahe gelegt. Und mehr ist es ja im Prinzip auch nicht, simple Höflichkeit. Man nimmt ja auch aus Höflichkeit die Kopfbedeckung in der Kirche ab oder zieht sich die Schuhe in einer Moschee aus, trotzdem ist man deshalb noch lange nicht Christ oder Moslem. Zur Statue selbst muss ich ehrlich sagen, dass ich sie mir ein bisschen imposanter vorgestellt hätte, denn in realitas wirken die 20 Meter dann doch nicht so beeindruckend wie auf manchen Bildern. Faszinierend ist es trotzdem allemal.
Nach dem Mittagessen steht ein weiteres persönliches Reisehighlight auf dem Programm. Die Fahrt mit der Ubahn. Das 1968 erbaute Ubahnsystem von Pyongyang ist erwartungsgemäß recht simpel ausgefallen. Es besteht gerade mal aus zwei Linien, die wie ein X angeordnet sind. Mit 100 Metern Tiefe ist es eines der tiefsten (wenn nicht sogar das tiefste?) Ubahnsysteme der Welt. Eine einfache Fahrt von A nach B kostet umgerechnet 5 Eurocent. Die Ubahnstationen selbst sind sehr prunkvoll ausgefallen, geschmückt mit riesigen Lustern an der Decke und zahlreichen Wandgemälden. Generell hat mich das Innendesign sehr an Fotos der Moskauer Ubahn erinnert. Nach nicht allzulanger Zeit fährt auch schon ein Zug ein, der uns zur nächsten Station bringen soll. Bei den eingesetzten Zügen handelt es sich um gebrauchte Garnituren aus der DDR, dementsprechend simpel die Ausstattung. Schon nahezu obligatorisch ist im Inneren des Waggoons das Foto von Kim Il Sund und Kim Jong Il and der Wand. Nach einer lauten und ruckeligen Fahrt sind wir dann auch schon in der zweiten Station angekommen, die der ersten in punkto Innenausstattung um nichts nach steht. Gerne würde ich noch mehr vom Ubahnnetz sehen, leider ist es Touristen jedoch nur gestattet diese zwei Ubahnstationen zu besichtigen. Das ist unter anderem auch der Nährboden für verschiedenste Gerüchte rund um die Pyongyang Ubahn, welche im Wesentlichen besagen, dass das Ubahnsystem in Wirklichkeit nur aus besagten zwei Stationen besteht. Ehrlich gesagt kann ich dem keinen Glauben schenken, viel plausibler erscheint es mir, dass die restl. Stationen einfach nicht dermaßen prunkvoll ausgestattet sind und dementsprechend keinen guten Eindruck auf Touristen hinterlassen würden.
Im Anschluss ging es noch schnell in einen International Bookshop wo ich die Möglichkeit hatte eine Ausgabe der englischsprachigen Pyongyang Times zu ergattern. Abgesehen von den üblichen Propaganda-geprägten Artikeln war v.a. eine Rubrik namens „War Crimes“ interessant. Diese beschäftigte sich v.a. mit den während der Okkupation von den Japanern begangenen Kriegsverbrechen in Korea, inkl Bildmaterial von toten koreanischen Zivilisten, Szenen einer Enthauptung oder Bilder von Schwerter schleifenden japanischen Soldaten, Bildtext: „Tha japanese monster prepares to kill another dozen innocent civilians“.
Der weitere Nachmittabg verlief dann recht entspannt, auf dem Programm standen noch die Besichtigung des ca 90 Meter hohen Juche Towers (von dem die Aussicht wegen schlechter Fernsicht leider nicht so gut wie erwartet war) sowie ein kurzer Abstecher zum Party Foundation Momument. Nett zum Ansehen, aber nach vier Tagen Propagandatour durchs Lad hat man sich dann doch auch schon an solche Anblicke gewöhnt. Der letzte Abend im Land findet in der Hotelbar mit ein paar nordkoreanischen Bierchen (nicht schlecht übrigens) seinen Ausklang.
Am nächsten Morgen heißt es früh Aufstehen, ab zum Bahnhof: Die Zugfahrt zurück nach China steht bevor. Zugfahrten in Nordkorea sind für den Durchschnittwestler sicherlich gewöhnungsbedürftig und aufregend zugleich, unterscheiden sich aber zu jenen in China nur marginal. Dementsprechend nicht wirklich aufregend für mich. Abgesehen vom Dampfantrieb haben die Züge ziemlich die gleiche Ausstattung wie die chinesischen, auffälligster Unterschied in der Innenausstattung sind die obligatorischen Führerportrais an der Wand jedes Waggoons. Die wesentlichen Unterschiede spielen sich auf der Bahnstrecke selbst ab. So sind Weichen nicht elektrisch steuerbar, bei jeder Weiche sitzt in einer kleinen Hütte ein „Weichensteller“, der zu gegebenem Zeitpunkt die Weiche in die jeweilige Richtung umstellt. Wirklich interessant wird es dann wieder mit dem Aufenthalt an der nordkoreanischen-chinesischen Grenze, welcher sich über knappe 3 Stunden hinwegzieht. Zunächst werden im Vorfeld diverse Formulare ausgeteilt, Customers Declaration etc. Dann betreten auch schon die ersten nordkoreanischen Soldaten den Waggoon, kontrollieren Reisepass und Ticket. Eine Stunde vergeht. In einer zweiten Kontrollwelle werden sämtliche Gepäcksstücke überprüft und durchsucht. Eine weitere Stunde vergeht. Zu guter Letzte kommen wieder Soldaten an Bord und verlangen alle Kameras, danach werden alle Fotos gecheckt und ggf. gelöscht (sollten sie Nordkorea in irgendeiner Weise schlecht darstellen). Als dann nach einer weiteren Stunde auch das geschafft ist wird unser Waggoon schließlich an einen chinesischen Zug gekoppelt und die Fahrt über die Staatsgrenzen, den Yalu River, wird fortgesetzt. Am anderen Flussufer ragen bereits Chinas Wolkenkratzer in den Himmel, Werbungen prangern von den Hauswänden, mittlerweile befremdend viele Autos tummeln sich im Straßenverkehr. Gleichzeitig bekommen wir unsere Handys wieder zurück, im ganzen Waggoon ertönen unzählige SMS Klingeltöne – keine Frage die westliche Welt hat uns wieder eingeholt und mit jedem weiteren Meter, den wir uns von Nordkorea entfernen, realisiere ich mehr und mehr, was ich in den letzten vier Tagen eigentlich alles erlebt habe.
Nordkorea war kein Urlaub, es war eine Erfahrung. Ich würde wahrscheinlich nicht ein zweites mal hinfahren, aber ich kann es jedem empfehlen sich dieses Land noch anzusehen, so lange es sich noch in der jetzigen Isolation unter dem kommunistischem Regime befindet. Denn ein anderes vergleichbares Reiseziel lässt sich derzeit mit Sicherheit nicht auf dieser Welt finden.
Dienstag, 14. Juli 2009
Chinas Minderheitenproblem
China befindet sich derzeit im Ausnahmezustand, wie zuletzt beim Milchskandal 2008. Grund hierfür sind die Unruhen in Xinjiang von vergangener Woche. Auch wenn sich mittlerweile die Lage wieder entspannt hat, bleibt die Stimmung angespannt. Überraschenderweise wurde diesmal ausführlichst in den chines. Medien über die Unruhen berichtet. Der Grund ist ersichtlich und das Motiv genau das selbe wie anno 2008 als China völlig überraschend komplett offen über das Sichuan Edbeben berichtete. Warum? Aus beiden Themen konnte politisches Kapital geschlagen werden. Beim Erdbeben konnte man sich rühmen wie toll nicht die chines. Hilfsorganisationen/kräfte etc arbeiten würden, bei den Xinjiang Unruhen geht man sogar noch einen Schritt weiter. Doch zunächst ein paar Hintergrundinfos.
Xinjiang ist Heimat der Uiguren (einem muslimischen Turkvolk), eines von 55 staatlich anerkannten Minderheitenvölker in China. Xinjiang war bereits Ende der Kaiserzeit im chines. Reich eingegliedert, englitt dann aber der Regierung aus der Kontrolle nachdem die Monarchie zusammenbgebrochen und das Land durch einen jahrelangen Bürgerkrieg und japansche Aggressionspolitik im Chaos versank. Mit der Machtübernahme der Kommunistischen Partei sowie der Ausrufung der Volksrepublik anno 1949 erreichte das Land langsam wieder Stabilität und begann sein Territorium (v.a. Richung Westen) auszuweiten. In dieser Periode wurden Tibet und Xinjiang besetzt, beide Gebiete in autonome Provinzen umgewandelt. Xinjiang ist für China unabkömmlich, was auf den ersten Blick vl. Etwas paradox erscheinen mag, da Xinjiang zum Großteil nur aus menschenfeindlicher Wüste besteht. Naturgemäß ist die Sache nicht so simpel, de facto ist Xinjiang reich an Bodenschätzen wie zB Erdöl, für China als aufsteigende Wirtschaftsnation unentbehrlich.
Die Erdölindustrie boomt in Xinjiang und ist neben dem bisschen Tourismus der Hauptantrieb für das lokale Wachstum von durchschnittlich 10% in den letzten 30 Jahren. Der neue Reichtum hat dementsprechend auch viele Han Chinesen nach Xinjiang gelockt. Han Chinesen sind jene Bevölkerungsgruppe in China, die den größten Teil der Bevölkerung ausmachen (jenseits der 90%), manchmal wird auch von sog. „homogenen Chinesen“ gesprochen. Aufgrund der großen Zuwanderung von Han Chinesen in den letzten Jahren fühlten sich Uiguren zunehmend in ihrer Existenz bedroht. Argumentiert wird mit Benachteiligung gegenüber Han Chinesen etc.
Obwohl die genauen Hintergründe der Xinjiang Unruhen vergangener Woche noch immer nicht vollständig geklärt sind, gibt es doch eindeutige Motive, Motive ethnischer Natur. Aus einer zunächst friedlichen Demonstration uigurischer Dempnstranten entwickelte sich zusehends ein ausrastender Mob, der zunächst auf Einrichtungen von Han Chinesen, später dann auch auf die Polizei selbst losging. Allein in der ersten Nacht kam es zu über 100 Toten. Über Nacht scheinte sich die Lage veruhigt zu haben, doch am nächsten Morgen kam es zur Racheaktion von Han Chinesen, die nun Vergeltung auf der offenen Straße suchten.
Die Partei reagierte rigoros. Zwar war das Thema von Anfang an in den Medien vorhanden, jedoch wurden zunächst zahlreiche Kommunikationsmittel massiv eingeschränkt. Bereits am zweiten Tag der Gewaltausbrüche kam es zu einer massiven Zensur des Internets. Waren wenige Wochen zuvor bereits Seiten wie Youtube, MSN, das chinesische Google oder Twitter zensiert worden, so kam diesmal auch Facebook auf die schwarze Liste der chines. Sittenwächter. Kurze Zeit später war dann schließlich das ganze Internet offline, wenn auch nur für einige Stunden. Des Weiteren wurde die Verordnung verlautbart, dass jeder egal welcher Staatsangehörigkeit oder Minderheit, der seinen Hukou (sprich Hauptwohnsitz) NICHT in Xinjiang hat, umgehend die Provinz verlassen muss.
Mittlerweile hat sich die Lage stabilisert, in den Medien hat das Thema aber noch immer Priorität Nummer 1. Warum? China oder besser gesagt die Partei kann daraus perfekt politisches Kapital schlagen. Dass China ein Minderheitenproblem hat liegt auf der Hand, die Tibetunruhen vergangenes Jahr sowie die perfekt verheimlichten Anschläge während der olympischen Spiele von uiugrischen Extremisten sind jüngste Beweise dafür. Die Taktik der Partei, ein unterdrücktes Volk durch Wirtschaftswachstum erkaufen und damit für sich gewinnen zu können, ist kläglich gescheitert, der Schuss ging nach hinten los und gerade das Beispiel Xinjiang zeigt wie sehr dieses Unterfangen den Keil noch tiefer zwischen die vorherrschenden Bevölkerungsgruppen treibt. China dementiert sein Minderheitenproblem freilich heftigst, behauptet geradezu naiv, dass die jüngsten Unruhen in Xinjiang nicht auf die Unuzfriedenheit der Uiguren, sondern viel mehr auf die Taliban oder andere Terrornetzwerke im Ausland dafür verwantwortlich sind, die Leute im Ausland für terror. Aktivitäten trainieren und sie dann zu Übungszwecken nach Xinjiang schicken. Gerade deswegen sei die Präsenz der Partei und generell der Han Chinesen in Xinjiang notwendig um das eigene Land quasi vom Vorposten aus zu schützen.
Wenn es nach der Partei geht wäre die Welt freilich schwarz/weiß. Einmal abgesehen von der Tatsache, dass es alles andere als den eigenen Führungsansrpuch bestärkend ist, wenn man Verantwortung vertrotzt ins Ausland abschiebt. Diesen Fehler hatte China schon zu Zeiten des Kaisers ab dem 16. Jahrhundert begangen und damit seinen langsamen Untergang als Kaiserreich eingeleitet. Schon damals fühlte man sich anderen überlegen, allein schon durch die Vereinnahmung der konfuzianischen Denkweise, die einen selbst über die sog. „Barbaren“ da draußen stellt. Wozu sollte man neue Denkweisen oder gar technische Mittel adoptieren, wie es umliegende Völker bereits seit Jahrzehnten machten? Man ist doch schon mal allein wegen der Moral haushoch dem Feind überlegen, wozu neue Technologien adoptieren?
Das moderne China befände sich auf dem besten Weg den selben Fehler erneut zu begehen, wenn die Theorie der ausländischen Sündenböcke stimmen würde. Naturgemäß ist die Sache ein wenig komplizierter. Denn wenn ausländische Terrornetzwerke tatsächlich Leute rekrutieren sollten um sie danach auf chines. Territorium zu trainieren, warum ist dann nur die Provinz Xinjiang betroffen? Warum nicht auch Tibet? Warum dann nicht auch gleich Nachbarländer wie Kasachstan oder Pakistan (wofür man übrigens seitens der Taliban viel mehr Gründe hätte, Stichwort Indien-Pakistan Konflikt)?
Au der einen Seite spielt die Partei immer den großen Beschützer seines Volkes und ist stolz auf die Diversität Chinas, auf der anderen Seite spielt man dann immer wieder den Beledigten, wenn einzelne Minderheiten – allen voran die Tibeter und Uiguren - absolute Autonomie fordern. Ja, es stimmt, es gibt zahlenmäßig weitaus größere Minderheitenvölker als die Tibeter oder Uiguren, allerdings sind diese mit Großteil an der Küste oder im Süden Chinas anzutreffen, sprich in jenen Regionen, die das höchste Wirtschaftswachstum haben und den höchsten Lebensstandard genießen, noch höher als selbst jener der Hauptstadt Peking. Dass dort Verteilung wesentlich besser funktioniert als in einer spärlich bevölkerten Hochgebirgs- oder Wüstenprovinz ist selbstverständlich.
Die neuesten Unruhen in Xinjiang haben wiederum bewiesen wie tief Chinas Bevölkerung v.a. westlich der Heihe-Tengchong Linie ( http://de.wikipedia.org/wiki/Heihe-Tengchong-Linie ) wirklich gespalten ist. So ist diese Linie nicht nur die Grenze zwischen durchschnittlich hohem und niedrigem Wirtschaftswachstum (was sich schon allein an der Bevölkerungsichte zeigt, da 9/10 östlich der Linie leben), sondern viel mehr. Sie ist auch die symbolische Grenze zwischen arm und reich aber vor allem kann sie auch mit wenigen Ausnahmen als die Homogenitätsrenze Chinas verstanden werden, sprich die Grenze die mit 90%iger Sicherheit als DAS kulturell originale China verstanden werden kann. Alles andere sind Territorien, die rein kulturell nichts mit China zu tun haben und nur im Rahmen von Aggressionspolitik erstanden wurden.
Ob Xinjiang und Tibet in dieser Hinsicht für China eher Segen oder Fluch waren wird die Zukunft zeigen. Fakt ist, dass vor allem von diesen beiden Provinzen eine extreme Gefahr hinsichtlich der fortwährenden Stabilität Chinas ausgeht. Und solange die Partei weiterhin angesichts dieser Problematik ihren Kopf in den Sand steckt wird sich die Lage sicherlich nicht entspannen.
Mittwoch, 13. Mai 2009
H1N1 in China
Doch all das nutzte offenbar nichts. Denn Montag Abend Ortzeit flimmerte die Schreckensnachricht zum ersten mal über die TV Schirme. H1N1 hat nun auch die VR China erfasst. Konkret handelt es sich dabei um einen einzigen Fall, ein Auslandschinese, der aus den USA kommend zunächst nach Tokyo und dann wenige Tage später nach Beijing eingereist war. Von Beijing aus hatte er dann noch am selben Tag einen Weiterflug nach Chengdu. Beides Flughäfen, die bzgl. H1N1 Überwachung nicht ausreichend ausgestattet waren. Das absolute Horrorszenario ist nun also Realität geworden. Noch dazu ist das ganze erst im Nachhinein klar geworden, sprich man darf jetzt obendrein auch noch all jene Passagiere ausfindig machen, die sich an Board jener 2 Maschinen (der nach Beijing und Chengdu) befunden haben. Seit Montag Abend läuft deshalb auf sämtlichen TV Stationen ein Dauer-Infoband über die Schirme, weches betroffene Fluggäste auffordert sich umgehend beim nächsten Meldeamt zu melden bzgl Gesundheitscheck. Die Tatsache, dass dieses Infoband nicht nur in Chinesisch, sondern auch in Englisch über die Schirme läuft verdeutlicht die Nervosität der chines. Behörden. Zu groß ist die Angst vor einer Pandemie – in Millionenmetropolen wie Beijing oder Chengdu nicht zu unterschätzen – zu tief sitzt noch der Schreck der Vogelgrippe anno 2003. Auch in öffentlichen Plätzen wird mittlerweile versucht mittels Infoschilder die Bevölkerung auf Präventivmaßnahmen und Gefahren von H1N1 aufmerksam zu machen. Das Thema beherrscht nun endgültig die Medien.
Neben einem anderen Thema: Das Sichuan Erdbeben anno 2008, welches sich gestern Dienstag zum ersten mal gejährt hat. In den gestrigen Abendnachrichten gab es diesbzgl. Einen ausgedehnten 25 Minuten langen Spezialreport (!), inkl. einer Ansprache des Präsidenten Hu Jintao an das Volk: China und dessen Bevölkerung sei durch dieses Ereignis nur noch mehr zusammengeschweißt worden und zeige mehr Verbundenheit als je zuvor. Das zeigen allein schon die nach dem Beben national angelegten Spenden- und Hilfsaktionen, die als „einzigartig“ in der chines. Geschichte betrachtet werden können.
Klar, die damals gesammelten Spenden in der Höhe von ca 700 Mrd Yuan sind auch trotz Chinas Bevölkerung erstaunlich und wurden während der gesamten Berichterstattung gekonnt hervorgehoben. Ebenso gekonnt verschwiegen wurde die Tatsache, dass zigtausende Menschen v.a. ihr Leben verloren hatten, weil es die Provinz- und Regionalregierungen verabsäumt hatten in erdbebensichere Bautechnik zu investieren, obwohl jene betroffenen Ortschaften im meist gefährdetsten Erdbebengebiet Chinas liegen). Vergangenheitsbewältigung auf Chinesisch.
Sonntag, 8. März 2009
2. Jahr fix
Die Hälfte vom Februar bin ich mit Freunden in Südchina herumgereist. Auch wenn wir unglaublich viel erlebt haben kann ich das hier jetzt nicht zusammenfassen, das würde einen eigenen Buchband erfordern. Fotos gibt es aber bereits im StudiVZ und im Facebook und die sprechen eh für sich.
Mitte Februar hat dann auf der Uni mein neues Semester begonnen. Bin jetzt in der nächsthöheren Stufe (Lower Intermediate) und das Niveau ist doch schon um einiges höher als letztes Semester. Zum Beispiel hab ich dieses Semester bereits auch Spezialfächer wie Wirtschaftschinesisch und Geographie, da is die Anzahl der Spezialvokabel doch schon um einiges höher. Und auch in den sonstigen Fächern wird viel mehr gefordert, find ich aber auch gut, da fall ich nicht so leicht in ein Motivationstief.
Andere große Neuigkeit: Auch wenn es der eine oder andere vl. Eh schon seit einigen Tagen weiß, aber mittlerweile ist es fix, dass ich ein weiteres Jahr in Peking bleibe. Ursprünglich wollte ich ja schon nach diesen 2 Semestern wieder im Herbst nach Wien kommen. Jedoch spiel ich aber schon seit November mit dem Gedanken länger hier zu bleiben. Zum Einen, weil ich einfach merke wie sehr sich meine sprachlichen Fähigkeiten hier verbessern. Mir kommen die 2 Jahre Sinologiestudium in Wien mittlerweile nur noch wie reine Zeitverschwendung vor. Hier kann ich das Erlernte einfach immer und überall anwenden. In Wien genau gar nicht. Und ich hatte auch einfach Angst das hier erlernte Chinesisch nach einem Jahr hier und dann wieder in Wien schnell zu vergessen. Weil mans einfach nieüben kann. So hab ich jetzt Zeit meinen Grundstock in Chinesich um einiges zu festigen. Und wenn mein Lernprozess so weitergeht wie bisher, dann traue ich es mir zu, dass ich fließend Chinesich sprechen kann, wenn ich nach 2 Jahren in China zurück komme. Zumindest hoffe ich das. Mittlerweile läuft es echt gut. Ich kann wildfremden Personen zuhören und verstehe bis auf wenige Details alles (vorausesetzt es wird nicht der ärgste Süddialekt gesprochen), ich kann mir Filme ohne englische Untertitel anschauen, und auch das Fernsehen wird immer durchsichtiger für mich.
Soviel zum sprachlichen Aspekt. Das andere ist, dass ich es mir derzeit einfach überhaupt nicht vorstellen kann wieder zurück nach Wien zu gehen. Natürlich würde ich mal gern wieder alle Freunde sehen. Aber seit ich hier in Peking bin hab ich mich einfach mit jedem Tag mehr bestätigt gefühlt, dass die österr. Mentalität (abgesehen von meinen Freunden, also die der Bevölkerung) einfach nur zum Kotzen ist. Und das betrifft so gut wie alle Bereiche des täglichen Lebens. Ich hab dieses Herumgesudere und das Kleinkarierte einfach satt und jedes mal, wenn ich auf die ORF ON Seite schau und mir dort die „Probleme“ unseres Landes anschau, schäm ich mich wirklich für unser Land, dass wir keine anderen Sorgen haben. Auch wenn es für mich davor schon irgendwie eingeplant war, so ist es seit China für mich fix, dass ich meine Zukunft mit 100 prozentiger Sicherheit nicht in Österreich verbringen will. Abgesehen davon, dass ich als Sinologe in Österreich von Haus aus so gut wie keine zukunft habe und auch nicht haben will, ich möchte einfach weg aus meinem Land. Natürlich wird es auf ewig meine Heimat bleiben, nur ist Peking mittlerweile auch eine 2. Heimat für mich geworden. Ich merke es wenn ich in China herumreise. Wenn ich in andre Städte fahre und dann bei meiner Rückkehr nach Peking mich wirklich wohl fühle. Dieses typische „Zu Hause sein“ Gefühl eben. Dieses Familiäre.
Demenstprechend schaut mein Plan für die nächsten Jahre wie folgt aus. Ich werde nicht zwischendurch nach Österreich kommen, so lange ich hier studiere. Sprich ich bin das nächste mal im September 2010 wieder in Wien. Ich hatte zwar kurz vor in den Sommerferien 2009 nach Österreich zu kommen und zu arbeiten, da ich jetzt aber mittlerweile hier eine Arbeit als Deutschprofessor gefunden habe, bei der ich 11€ netto pro Stunde verdiene und diesen Job auch im Sommer ausführen kann, ist diese Option endgültig gestorben. Herbst 2010 komme ich also wieder nach Österreich, brauche dann noch genau ein Semester um den Bachelor abzuschließen. Danach 4 planmäßige Semester für das Masterstudium, das mich sicher auch wieder „zwingen“ wird für 2-3 Monate nach China zu gehen. Danach ist noch viel offen, ursprünglich wollte ich noch 4 Semester auf die diplomatische Akademie gehen, aber fix ist derweil noch nix, ich sprech hier von den nächsten 4-5 Jahren, da kann sich noch so viel ändern, so viel dazwischen kommen. Auch wenn ein Job in der Diplomatie mein Traumjob wäre, so ist der Abschluss des Masterstudiums derzeit das einzige, was ich wirklich fix vor habe. Und dann ab nach China, vorzugsweise Peking. Für den Rest meines Lebens. Also wirklich dort leben und arbeiten. Ich habe in diesem halben Jahr, in dem ich hier am andren Ende der Welt bin, innerlich mit Österreich abgeschlossen, und wenn ich meinen Master hier in China machen könnte würde ich es auch sofort tun. Mein Zukunft sehe ich jedoch in China bzw Ostasien angesiedelt.
Ich weiß, das ganze mag vl jetzt etwas voreilig klingen, aber ich habe diese Gedankenmodelle schon seit ich 2006 zum ersten mal in China war und Sinologie zu studieren begonnen habe, de facto war der längere Aufenthalt hier jetzt nichts anderes als der ausschlaggebende Punkt, der den sprichwörtlichen Stein letztendlich ins Rollen gebracht hat. Ich bin froh Sinologie zu studieren und ich bin froh, dass ich einer der wenigen Studenten bin, die vom Anfang an das Glück hatten gleich das Studium zu finden, das sie am meisten interessiert.
Ich verspreche euch, dass wir sicher noch viel Spaß haben werden, wenn ich von Peking zurückbin, ehe ich dann wieder einige Jahre später ebenda zurückkehren werde. Wir werden die Zeit nutzen, das verspreche ich euch. Danke, dass es euch alle gibt!
Dienstag, 27. Januar 2009
Chines. Neujahr & Japan Trip
Gestern war chinesisches Neujahr. Peking ist wie leer gefegt, weil alle Leute aufs Land zu ihren Familien gefahren sind. Es ist echt wie eine Geisterstadt. Auf der Straße kein Auto, keine Menschen, die Ubahn so gut wie menschenleer, der Großteil aller Geschäfte hat geschlossen. Wollte mir vorgestern noch etwas Shisha Tabak kaufen und bin dementsprechen zu dem Tabakladen meines Vertrauens gefahren, wo ich mittlerweile schon Stammkunde bin. Dort angekommen musste ich leider feststellen, dass die wegen Neujahr geschlossen haben. Es war dann ein richtiger Krampf einen Tag vor Neujahr einen Laden zu finden, der guten arabischen Shisha Tabak zu halbwegs akzeptablen Preisen verkauft.
Das Neujahr selbst war dann sehr enthusiastisch. Während der westl. Neujahrswechsel hier mehr oder weniger langweilig und unspektakulär über die Bühne ging, heizten die wenigen Menschen, die in Beijing geblieben waren, der Stadt gestern Abend Vollgas ein. Seit gestern Früh wird geschossen und geknallt was das Zeug hält. Ich kann dadurch leider wenig schlafen, da die Knaller auch in meinem Hof verschossen werden. U.a. diret vor meinem Fenster. Aber das sind nicht normale Knaller. Das hört sich an wie ein Maschinengewehr, nur so laut als wenn man direkt daneben stehen würd. Die haben hier nämlich soclche Art Ketten bestehend aus lauter Knallern und wenn man eine so eine Kette anzündet knallt die eine Minute mind. Durch, nicht übertrieben! Das ganze beginnt um 7 in der Früh un hört irgendwann in der Nacht auf. Auf der Starße haben mittlerwele improvisierte Stände aufgemacht, die pyrotechnischen Schnickschnack verkaufen. Und die machen das Geschäft ihres Lebens. Denn haben die Chinesen hier mal alle sverschossen fährt man sofort zu einem dieser Stände und kauft weiter ein. Den ganzen Tag lang!
Neujahr selbst habe ich beim Mickey, der gleich bei mir um die Ece wohnt, verbracht. Der hat eine chines. Mitbewohnerin und wir haben mit ihr und ihren Eltern zusammen Neujahr gefeiert. Das ganze schaut so aus, dass man zuerst zusammen Jiaozi (Teigtaschen) macht und dann zu Silvester zusammen isst. Der obligatorische Reiswein hat natürlich auch nicht gefehlt und floss in Mengen. Es war auch sehr lustig sich mit dem (ziemlich trinkstarken) Vater der Mitewohnerin zu unterhalten (auch wenn sein Akzent derbst war), der anscheinend ein passionierter Jäger ist. So erzählte er uns Geschichten von seine Jagdausflügen, wie sie Bären erlegt haben und im Anschluss deren Blut getrunken haben, „weil das Kraft gibt“. War sehr amüsant. Danach ging es dann noch zugegebenermaßen recht angeheitert ans Raketen und Knaller zünden, welches wohl einem jeden Europäer bzgl. Sicherheit sehr zu denken gegeben hätte. Nicht nur, dass die Zündschnüre der ganzen chinesischen Billigdinger VIEL zu kurz waren (so dass nach dem Anzünden keine Zeit zum Wegrennen war), nein es kam auch de öfteren vor, dass eine Blindgängerrakete einfach nicht abflog und am Boden explodierte. 5 Meter vor uns. Oder in geparkte Autos flog, woraufhin deren Alarmanlage losging, was jedoch nur noch mehr zur Euphorie beitrug da nun zusätzich Lärm herrschte.
Um 4 trat ich dann aber auch schon den Heimweg an, da ich vom Vortag (Fortgehen) doch etwas geschlaucht war. Aus dem Ausschlafen wurde dann heut leider nix, da ich wieder pünktlich um 7 von den „Maschinengewehr“-Knallern aufgeweckt wurde. Polster oder Dekc über dne Kopf hatte beim besten Willen nichts gebracht, ich konnte einfach nicht mehr einschlafen. Gut. So war ich dann spät. Zu Mittags als der Magen begann zu Knurren mit dem Problem konfrontiert irgendwo Essen aufzutreiben. Und das an den größten Feiertag in China! Ein Blick in den Kühlschrank, der lediglich eine Ladung von Bierdosen und abgestandenem Cola offenbarte, machte meine Situation auch nicht einfacher. Gott sei Dank hatte ein Restaurantbei mir um die Ecke offen, alle andren hatten geschlossen. Somit eraprte ich mir die unerwünschte Diät.
Im Laufe des heutigen Tages gingen die Feuerwerke sowie die Knallerei natürlich auch nch weiter, den mehr oder weniger gezwungenen Schlafentzug nutzte ich um alibimäßig die Wohnung aufzuräumen.
Zu den Ereignissen der Wochen davor. Der westliche Neujahrswechsel ging mehr oder weniger gut über die Bühne. Weniger deshalb, weil sich die Lisi im Rahmen ihres Besuchs bei mri in Peking zu Neujahr mitten im Club auf der Tanzfläche den Miniskus gerissen hatte und wir sie nach Haus bringen mussten. Mehr, weil sies überlebt hat ;)
Danach waren Prüfungen angesagt die ich auch alle mehr oder weniger gut überstanden habe. Ab 7. Jänner hatte ich dann frei, flog am 9. Jänner gleich für 2 Wochen nach Japan auf Urlaub und um unter anderen einen Freund, der gerade dort studiert, zu besuchen.
Japan war für mich als mittlerweile assimilierter Chinese (zumindest was das tägl.Verhalten betrifft) ein totaler Kulturschock. Es war der östliche Westen. Und es war das fortschrittlichste Land in dem ich je war. Und das seltsamste. Und zwar bzgl ALLEN Aspekten des alltägl. Lebens sowie der Gesellschaft. Ich kam mir vor wie als wenn ich 20 Jahre in die Zukunft gereist wäre. Ich kann kein Japanisch und 99,9% der Japaner spechen kein Englsich. Trotzdem stellte sich bei mir nie sow irklich das Lost in Translation Gerfühl ein, da dTeile der japanischen Schrift doch der chines. Ähneln. Somit konnte ich mich selst ganz gut zurecht finden. Nur wenn es zur persönlicchen Kommunikation kam wurde es ein riesiges Problem.
Japan war einfach anders. Es herrscht überall eine Überflut an Informationen. Wie oft stand ich am Hauoptbahnhof und hab das Gleis für meinen Zug gesucht? Obwohl (zumindest in Tokyo) alles auf Englisch angeschrieben ist bin ich einfach wie baff vor den ganzen Anzeigetafeln gestanden. War komplett überfordert mit der Infomartionsflut. Das ganze ist einfach schwer zu beschreiben man muss es erlebt haben. Als ich zB am ersten Abend in Tokyo ankam wusste ich, dass ich mit der Ubahn zur Station Asakusa fahren musste, weil ich dort mein Hotel hatte. Das Ubahnpreissystem in Tokyo funlktinoert nach Stationen. Und nach Company. Das Tokyo Ubahnsystem wird von mehreren unterschiedlichen Firmen betrieben, die alle eigene Linien und Preismodelle haben. Sprich für den 0815 Touristen wie mich absoluter HORROR! Ich stand also vor diesem Ubahnplan mit den Tarifen und obwohl alles auf Englisch dastand. Ich habs einfach nicht gecheckt. Ich bin wirklich locker 5 Minuten davor gestande und habs versucht zu vertehen aber es ging nicht. Absoluter Horror war überhaupt weil ich einmal umsteigen musste und somit ingesamt mit 2 unterschiedlichen Company Sbways fahren musste, dazu braucht man dann ein Transfer Ticket wieder mit eigenem Tarifmodell versteht sich, aboluter Horror! Zu meinem Glück kam ein engagierter Japaner zu mir, der offenbar sein Englsich verbessern wollte, und fragte ob er mir helfen könne.
Andere Eindrücke aus Tokyo: SAUTEUER! Generell ganz Japan, aber ganz speziell Tokyo. Essen gibt’s im Restaurant nicht unter 10€. Und dann sinds auch nur simple Nudeln. Sushi gibt’s am Fishmarket um 30€ für 5 Stück! Ubahnfahren für 3 Stationen 2,5€. Ein Kilometer im Taxi 7€, in der Nacht mehr. Fortegehn: Nirgends gibt’s ein Seiderl unter 5€. Eintritt in die Clubs 20-30€, NUR der Einritt. Garerobe nochmal 5€. Hotels: Ich hab in einem Kapselhotel geschlafen. Sprich mein „Zimmer“ war eine Kapsel, ja richtig gelesen, wie ein Sarg. Einfach nur eine Matratze drin, vl. Halben Meter hoch und grad so grß, dass man drin liegen kann. De facto die günstigste Variante in Japan zu schlafen. Kostenpunkt 30€/Nacht. Kein Frühstück und gemeinsame Sanitärräume versteht sich.
Außerdem: LÄRM! Tokyo ist so unglaublich laut. Alles macht Geräusche, von überall dröhnt Musik, sogar von den Ampeln. Als ich Abends nach Haus gekommen bin und mich hingelegt hab hat mein kopf immer noch eine Stunde lang gedröhnt.
Es gibt über Japan einach SO viel zu erzählen, aber das würde hier sämtliche Grenzen sprengen. Ich könnte stundenlang schreiben. Wie gesagt war es für mich ein Kulturschock wieder nach 5 Monaten in ein „zivilisertes“ Land zu kommen. Keiner hupt dich an, keiner fährt/geht bei Rot über die Straße, kein Müll auf der Straße. Und ich bin auch seit langem wieder in den Genuss von Regen und GUTER LUFT gekommen. Hab das schon gar nicht mehr gekannt. Als ich in Tokyo ankam regnete es, zum ersten mal, dass ich siet dem 29. September 2008 wieder Regen gespürt habe (das war das letzte mal, seit es in Peking geregnet hat). Die Luft war feucht du nicht trocken! UND sie hat gut gerochen, und das is einer Großstadtmetropole. Des weiteren: Fettfreies Essen. Japan war der erste Urlaub in dem ich abgenommen habe! Weil das Essen hier einfach Null Fett hat.
Insgesamt war ich also 2 Wochen in Japan. Hab den Großteil der Zeit (knapp eine Woche) in Tokyo verbracht. Außerdem war ich noch in Kobe (meinen Freund besuchen), in Arima Onsen (ein kleines Dorf wo es heiße Quellen gab), Nagano (eigtl nur irrtümlich weil ich den falschen Zug genommen hatte), Matsumoto (um das gleichnamige Schloss dort zu beischtigen), Kyoto (unglaublich wie viel es dort zu sehen gibt), Fujiyoshida (die näheste Stadt zum Mount Fuji) und Hakodate in Hokkaido (ein kleines Fischerdörfchen ganz im Norden von Japan, weit weg von den Touristenpfaden).
Die letzten Tage in Japan waren dann noch ewas stressig, die Geschichte ist etwas kompliziert. Ich hab mich in Japan immer nur per Zug fortbewegt, weil ich den Japan Raill Pass hatte. Diesen Pass kann man sich kaufen, bevor man nach Japan kommt. Man kann ihn für ein, zwei oder drei Wochen kaufen und dann im entsprechenden Zeitraum unbegrenzt mit der japan. Bahn (inkl. Shinkansen) fahren. Is ziemlich lässig und ich hab ihn mir seiner Zeit für 2 Wchen zugelegt, Gültigkeit beginnt ab dem Tag wo man ihn zum ersten mal einlöst. Das war bei mir FR 9. Jänner als ich vom Flughafen nach Tokyo fahren musste. Mein Abflug war am FR 23. Jänner, also genau 2 Wochen später. Was ich aber nicht einkalkuliert hatte, war die Tatsache, dass ja auch schon der 9. Jänner selbst als erster Gültigkeitstag gilt, sprich mein Pas släuft einen Tag früher als beabsichtigt, am 22. Jänner, ab. Hab das auch erst im Rahmen meiner Reise bemerkt, als ich mal so aus langeweile in den Railpass starrte.
Die letzten Tage waren bei mir so: Am MI und DO war ich in Hakodate, 600km von Tokyo enfernt, am FR musste ich um 10 in der Früh am Flughafen sein. Als ich die Tickets für Hakodate kaufte beschloss ich also einfach am DO um ca 22 Uhr ni Tokyo zurück zu sein um mit dem letzten Airport Express zum Flughafen zu fahren und dort zu übernachten. So würde ich mir das Hotel sparen und müstte mir am FR nicht das Airport Ticket selber zahlen. Tja, ich war so blöd und hab natürlich NICHT nachgefragt, wann der letzte Zug zum Flughafen ging, da ich mir dachte, dass in tokyo, der größten Metropole der Welt, wohl um 10 am Abend noch ein Airportrain gehen würde. Denkste, am DO kam ich nach 6 Stunden mit meinemganzen Gepäck in Tokyo an, ging zu den Gleisen des Airport Express, doch dort stand nichts mehr auf der Anzeige.Ich zum nächsten Infoschalter, wann geht der nächste Zug zum Flughafen? Sorry, der letzte ging bereits vor einer Stunde. Um 21 UHR! Und das in TOKYO! Unglaublich. Ich wuste echt nicht was ich tun soll. Ich war echt nicht bereit noch eine weitere Nacht im Hotel zu bezahlen, noch mehr Geld auszugeben. Somi beschloss ich mitsamt meinem Gepäck im strömenden Regen durch Tokyo zu hatschen um einen 24/7 McDonalds oder ähnliches zu finden, wo ich mich reinsetzen konnte. Nach über einer Stunde Odyssee fand ich dann auch einen, jetzt hatte ich dann jedoch 6 Stunden Zeit totzuschlagen, ehe de erste Zug um 5 in der Früh zum Airport ging. Nachdem ich mich selbst mit einigen Mc Coffees gepimpt hatte, nahm ich ein Blatt Papier sowie eine Stift in die Hand und begann ein Memo an mich sekbst zu schreiben. Wie blöd ich denn war und nicht nach dem letzten Airportrrain gefragt hab bevor ich die Hakodate Tickets gebucht hatte. Das ganze wurde 10 A4 Seiten lang und verschwendete 3 Stunden. Unglaublich gute Zeitüberbrückung. Dann schlug ich noch die letzten paar Stunden tot und brach um 4 dann Richtung Hauptbahnhof auf (noch immer im strömenden Regen und mit meinem ganzen Gepäck),, wo ich dann nach einer Stunde Hatscherei ankam und völlig übermüdet schließöich den Flughafen erreichte.
Tja, das war Japan, Extremst kurz zusammengefasst. Bilder gibt’s demnächst im StudiVZ und auf Facebook!