Samstag, 27. Dezember 2008

Weihnachten 2008

Auch 7000km von zu Hause entfernt hören sich Sitten und Bräuche nicht auf. Zumindest nicht bei mir. Die letzten Wochen waren von Weihnachten und den Vorbereitungen hierfür geprägt – wenn gleich auch die ganze Angelegenheit weitaus weniger stressig ausfiel als vergleichsweise in Wien. Zum Einen wird man im Fernsehen nicht die ganze Zeit von Weihnachtswerbung belästigt, de facto eigentlich gar nicht. Ist auch nicht wirklich verwunderlich. Weihnachten hat in China keine Tradition und wird lediglich von den Westlern hier zelebriert. Natürlich gibt es in Kaufhäusern eigene Weihnachtsabteilungen und Tonnen von Weihnachtsschmuck und Lichterketten, jedoch ist das hier wohl auch eher aus Kommerzgründen heraus.

Da Peking mit seinem trockenen und smogigen Klima alles andere als eine romantische Weihnachtsatmosphäre liefert musste ich mir etwas einfallen lassen wie ich mich so schnell wie möglich in Wehnachststimmung bringen kann. Ich weiß nicht, in Wien ging mir Weihnachten eigentlich immer mehr auf die Nerven als dass es mir Freude bereitete. Vmtl. V.a. wegen des ganzen Trubels um dieses Fest. In den letzten Jahren war es für mich immer schwieriger in diese Festtagsstimmung zu kommen. Als ich klein war war isch schon in den letzten Novembertagen aufgeregt, mittlerweile bin ich es nicht mal mehr am 24. selbst. Das sollte dieses Jahr anders werden – trotz mehr als 7000km Distanz zur vertrauten Heimat.

So begann ich Anfang Dezember mich auf die Suche nach einem Adventkranz zu machen – vergeblich. Doch pünktlich zum ersten Advent hatten die Johanna und ich dann selbst einen Adventkranz gebastelt, einfach ein paar Tannenzweige vom Unicampus genommen, 4 Kerzen im Supermarkt gekauft und etwas Alufolie zusammengerollt und um den Kranz gebunden – als Silberelement. Am 2. Advent wurde dann der Weihnachtsbaum gekauft. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass es ein Plastikexemplar mit Lichterkette ist, aber echte Bäume gibt’s hier einfach nicht zu kaufen. Dafür denken die Chinesen viel zu pragmatisch. „Warum sollte ich mir einen echten Baum kaufen, den ich dann nach einem Monat wegschmeißen muss, wenn ich im Supermarkt um einen Bruchteil des Geldes einen ebenso schicken Plastikbaum bekomme, den ich noch dazu jedes Jahr wieder verwenden kann?!“

Somit waren mal die klassischen Weihnachtsutensilien beschafft und langsam kehrte bei mir zu Hause Weihnachtsflair ein. Ebenfalls ab dem 2. Advent gab es bei mir wöchentlich mind. 2 Punsch Parties, bei denen ich allen Nichtösterreichern dieses tolle Getränk vorstellen konnte. Leider war und ist so ein Punschabend sehr kompliziert und kostpielig, weil man die Hälfte der benötigten Zutaten hier entweder nicht bekommt oder sauteuer as Importware kaufen muss. Das beginnt schon mal beim Wein, da der billigste Suffwein im Supermakrt nicht unter 5€ zu haben ist. Des weiteren ist dunkler Rum nirgends erhältlich, weißen Rum gibt’s nur in Form von Bacardi zum Preis von 15€ die Flasche (mehr als doppelt so viel wie bei uns). Sachen wie Zimt sind nur sehr schwer zu bekommen, Gewürznelken …häh? Das steht nicht mal in meinem Deutsch-Chinesisch Wörterbuch. Somit war Improvisieren angesagt, aber nichts desto trotz hat es allen jedes mal vortrefflich geschmeckt.Letzten Endes hab ich mir dann noch Lichterketten gekauft (ja ich weiß, kitschig), aber um grad mal 1€ pro 5 Meter Kette musste ich einfach zuschlagen. Damit wurde nun auch die ganze Wohnung geschmückt.

Am Christtag selbst kam leider erst mäßig Stimmung auf, da ich nach wie vor Uni und nicht wie in Österreich Weihnachtsferien habe. Sprich ich war zu Weihnachten mehr oder weniger gezwungenermaßen auf der Uni, da wir demnächst Prüfungen haben. Es war aber auch irgendwie total unsinnig, weil man sich sowieso nicht konzentrieren konnte. Die ganze Zeit hat man an Weihnachten bzw an alle Freunde und Verwandte zu Hause gedacht. Selbst einer unserer Klassenbesten konnte auf Fragen des Lehrers nicht antworten. Offensichtlich den Tränen nahe brachte er nur heraus dass er einfach mit seinem Kopf woanders sei, bei seiner Familie zu Hause. Aber die Lehrer hatten wenigstens volles Verständnis. Generell war die Uni in den letzten Tagen vor Weihnachten wie ausgestorben da doch ziemlich viele Leute über Weihnachten nach Hause geflogen waren. Heute waren wir zB gerade mal 5 Leute in der Klasse, obwohl wir 21 Klassenschüler haben.

Am Nachmittag nach der Uni hieß es dann für mich Wohnung für die Weihnachtsfeier vorbereiten. Dabei hab ich mal gleich im Vorbeigehen den Christbaum mitsamt seiner ganzen Beschmückung mgeschmissen woraufhin der Christstern abgebrochen ist. Man muss aber auch dazu sagen, dass der Baum nur in einer Bierflasche steht (weil der Standfuß gefehlt hat) und dementsprechend instabil ist. Dann hab Wäsche gewaschen und hab auf die waschende Waschmaschine den Porzellandeckel der Klospülanlage gelegt. Der Deckel ist vom WC entfernt, weil der sonst auf einen Spülteil drückt und somit die ganze Spülwanne des Klos permanent zum Überlaufen bringt. Gut. In der Zwischenzeit hab ich im Vorzimmer und in der Küche die restliche Weihnachtsbeleuchtung aufgehängt – mit simplen Tixo. Was zur Folge hatte, dass das natürlich gar nicht gehalten hat und ich alles immer doppelt und dreifach kleben musste damit alles hält. Ich möchte gar nicht wissen wieviel Meter Tixoband ich dabei verbraucht hab. Kaum bin ich mit dem Tixo Kleben fertig höre ich einen unglaublichen Krach, irgendetwas ganz Großes geht in Brüche, in meiner Wohnung. Zuerst dachte ich mir, dass vl eine der viele Falschen in der Küche auf den Boden efallen ist. Fehlanzeige. Es war der Porzellandeckels meiner Spülautomatik vom Klo, der während des Schleuderganges von der Waschmaschine durch die Vibrationen von der Waschmaschine gewandert ist und am Biden in 100 Sücke zerbrochen ist. Gott sei Dank hatte ich soviel Glück, dass die Fließen auch nicht gesprungen waren. Trotzdem, ich kam mir echt vor wie im Film „Hilfe es weihnachtet sehr“, doch letztendlich ist alles gut gegangen. Zuerst bin ich mit ein paar Freunden in ein Restaurant um die Ecke gegangen wo wir Peking Ente und andere chines. Spezialitäten gegessen haben. Danach gings zu mir nach Hause um bei Lichterketten- und Adventkranzkerenlicht Punsch zu trinken begleitet von den Wiener Sängerknaben. Österreichische Kultur auf der andren Seite der Welt. Summa Summarum waren wir ca ein Dutzend Leute und es war sehr nett!

Heute hatte ich auch schon meine erste Prüfung, ist gut gegangen. Die restlichen Prüfungen sind vom 5-7. Jänner, danach geht’s am 9. Jänner bereits für 2 Wochen nach Japan. Werde dort entgegen meinen ursprünglichen Plänen mit einer kürzlich kennen gelernten Indochinesin hinfahren, da sie zufällig zur selben Zeit im Land ist wie ich, und unter anderem meinen guten alten Bundesheerkameraden Daniel besuchen sowie natürlich das Land selbst besichtigen. Aber auch ansonsten ist mir derzeit nicht langweilig, denn neben dem Prüfungsstress hab ich derzeit auch Besuch von Anna, Andrea, Basti und Lisi bekommen, die über Neujahr dableiben. In diesem Sinne wünsche ich euch allen Frohe Weihnachten aus Peking und falls es sich nicht mehr für einen neuen Eintrag in den kommenden Tagen ausgeht auch gleich einen guten Rutsch ins Jahr 2009!

Dienstag, 9. Dezember 2008

Balsam für meine europ. Seele

Die letzten Wochen waren recht stressig und es ist viel passiert, deswegen konnte ich nichts hier updaten.

Großes Thema zu Beginn: Der Winter hat nun endgültig begonnen, zumindest hier bei uns im nördlichen Beijing. Plus Grade gibt es schon seit ca einer Woche nicht mehr, nicht mal zu Mittags, die Temperaturen erreichen im besten Fall untertags Minus 5 Grad, durchnschnittlich aber Minus 10 Grad – begleitet von eisigem Wind. Letzten Donnerstag hatten wie die bisher tiefste Temperatur des heurigen Winters: -13 Grad und Windgeschwindigkeiten von mehr als 12m/s, hat sich also irgendwie wie -20 Grad angefühlt.

Ausgerechnet an diesem Tag mussten wir natürlich Ski Fahren gehen, ja, richtig gelesen, das ist in China möglich, wenn auch nicht auf dem Standard, den wir von Österreich aus gewohnt sind. Konkret handelte es sich bei dem Skigebiet um einen Hügel (nicht übertrieben!), der ca 1,5 Stunden per Bus von Peking entfernt ist. Ich hab mir das Ganze im Nachhinein noch auf der Karte angeschaut, der Hügel hatte eine Seehöhe von 400m, die Talstation lag auf 150 Metern. Es gab 2 Pisten (eigentlich gabs mehr, aber nur auf 2 Pisten waren die Schneekanonen eingeschalten), eine blaue und eine rote Piste. Es gab auch eine „schwarze“ Piste, die hatte jedoch wie gsagt noch keinen Kunstschnee, da letzte Woche erst Saisoneröffnung war. Dementsprechend günstig waren auch die Tickets. Gerademal umgerechnet 8€ haben wir gezahlt, darin inkludiert waren aber Transport zum Skigebiet, Tageskarte und Zeug ausleihen. Auch wenn das Skigebiet im Prinzip wirklich mehr als simpel war, war es doch mal lustig wieder auf den Skiern zu stehen, v.a. wenn man aus Österreich kommt und sonst NIEMAND skifahren kann. Zumindest 90% der Leute nicht. Ich war mit ein paar Freunden, waren auch ein paar Chinesen dabei, und von unsrer Gruppe sind im Endeffekt 50% noch nie auf Skiern gestanden. Ich weiß nicht,das klingt für uns Österreicher wirklich so eigenartig, wenn jemanden sagt, dass er noch nie auf Skiern gestanden ist, aber zB in China oder in Mexiko hat man ja nicht die Möglichkeit dazu. Naja auf jeden Fall war der Tag sehr unterhaltsam und ich hab mich wieder mal gefreut nach 4 Jahren (Bundesheer Alpinwoche zählt nicht) auf Skiern zu stehen, was ich mir ja in Österreich den horrenden Ticketpreisen sei Dank abgewöhnt habe. Am Nachmittag war es dann leider wirklich sehr kalt, da plötzlich starker Wind aufkam und die Sonne auch schon langsam unterging. Somit mussten wir leider um 15 Uhr aufhören die Piste runterzusausen, da man nicht nur auf dem Gipfel, sondern auch auf dem Sessellift jedes mal zum Eiszapfen wurde. Wie auch immer, für 8€ hat es sich allemal gelohnt.

Eine Woche davor sind wir noch als kleine Viererrunde nach Tianjin gefahren, eine Stadt, die ca 200 km von Beijing entfernt an der Meeresküste liegt. Der ursprüngliche Plan war, dass wir am Abend dort ankommen, uns ein bisschen die Stadt anschauen, essen gehen und danach diverse Lokale unsicher machen. Zunächst also mit dem Highspeedtrain nach Tianjin, 200 km mit 350km/h in 25 Minuten, kann man sich nicht beschweren. Anfangs wars dann etwas frusrierend, da wir nicht wirklich wussten, was man sich denn so in Tianjin ansehen kann. Haben uns dann mal am Bahnhof gleich ein Taxi genommen und den Taxler gefragt was man sich so ansehen kann. Der hat uns dann in ein wirklich schönes Viertel gebracht, wo alle Häuser im europäischen Baustil gebaut waren, also kein Flachdach, kleine Vorgärten etc. Das war wie Balsam für meine europäische Seele. Danach sind wir dann noch zur Einkaufsstraße gefahren, haben ein bisschen gebummelt und Abend gegessen und haben dank Auskunft eines der wenigen Westlern auf der Straße herausgefunden wo eine Studentenbar ist. Dort hinzukommen gestaltete sich jedoch leider etwas kompliziert. Zunächst nahmen wir uns ein Taxi, fragten den Fahrer ob er das Lokal kennt, er bestätigte das. Jedoch stellte sich nach ca 2 Minuten heraus, dass der Typ keine Ahnung von irgend etwas hatte und alle 4 Blöcke am Straßenrand stehen blieb um irgendwelche Taxlerkollegen zu fragen. Wenigstens war er ein ehrlicher Typ und hat uns im Endeffekt nur den Startpreis vom Taxameter verrechnet ohne den Kilomemter- und Standzeitkosten. Im Endeffekt nach weiß ich wie oft fragen hat ers dann offensichtlich gewusst und uns in irgendeiner dunklen verlassenen Seitengasse abgesetzt mit der Aufforderung, dass wir ins drittletzte Gebäude der Straße gehen sollten, dort ist dann das Lokal. Gutgläubig wie wir waren stiegen wir aus und bezahlten, gingen dann seinen Anweisungen nach um im Endeffekt drauf zu kommen, dass wir „in the middle of nowhere“ waren. Denn nicht nur, dass das gesamte Viertel überhaupt nichts mit einem Barviertel gemeinsam hatte, es war auch totenstill. Somit war klar, dass uns der Taxifahrer einfach irgendwo abgesetzt hat, vmtl weil er nicht zugeben wollte, dass er keine Ahnung hat wo das Lokal ist, auch nicht nach 100 mal fragen. Gut. Somit hatten wir keine Ahnung wo wir waren, das ganze in einer fremden Stadt und weit und breit keine Menschenseele. Gut, also beschlossen wir zur nächstgrößeren Straße zurückzugehen um ein Taxi zu mieten, auf dem Weg dorthin begegneten wir jedoch einem Anrainer und fragten diesen, ob er besagte Bar kennt. Und tatsächlich! Die Bar war im Endeffekt in dieser verlassenen Straße, man musste dafür jedoch in ein Wohnhaus hineingehen, da sich das Lokal im dortigen Keller befand. Gut damit war das Problem gelöst und der eben noch von uns verteufelte Taxifahrer in den Rang Gottes aufgestiegen. Nachdem wir in der Bar einige Zeit verbracht hatten gingen wir dann noch in einen Club, wo wir bis knapp nach 3 Uhr verweilten.

Dann hieß es zurück zum Bahnhof um den Nachtzug nach Beijing zu erwischen. Der nächste fuhr um 3:40 Uhr. Nachdem wir dem Taxler gesagt hatten, dass wir unbedingt diesen Zug erwischen müssen, hat der dann auch noch in bester Hollywood Manier Gas gegeben, ist über eine rote Ampel nach der anderen gebrettert und im Endeffekt waren wir um 3:35 Uhr am Bahnhof. Gut, wir rennen alle zum Ticketschalter, fassen noch immer nicht unser Glück, dass wir es tatsächlich pünktlich geschafft haben und freuen uns schon über ein gemütliches Nickerchen im Nachtzug. Doch dann die Nachricht der Ticketfrau: Es gibt keine Tickets mehr. Erster Gedanke: Ok ausverkauft, aber um DIE Uhrzeit?! Okay, nach dem nächsten Zug 15 Minuten später gefragt, ebenfalls ausverkauft. WTF`? Was ist los, nach einer energischen Debatte mit der Schalterfrau stellt sich heraus, dass das Militär alle Züge bis 6 Uhr in der Früh an diesem Tag von Tianjin nach Beijing gekauft hat um einen Truppentransport durchzuführen! Gut, das war zwar ein Grund, aber trotzdem ärgerlich. Mickey (ein englischer Freund) war derjenige, der von uns 4 die Nachricht am wenigsten wahrhaben wollte und begann eine energisch lautstarke Diskussion mit der Schalterfrau. Göttlicher Höhepunkt war, als er sich in seiner Betrunkenheit versprach indem er sich beschweren wollte, dass ihr Fahrplan (den wir extra im Internet gecheckt hatten) ein Problem hat und „kaputt/schlecht“ ist. Dumme Sache war nur dass Mickey das Wort für Fahrplan falsch aussprach und obwohl er Fahrplan meinte, sagte er Fuß. Die Ticketfrau, sowie alle sonstigen anwesenden Chinesen waren mehr als verwirrt und starrten uns durch diesen Sager noch mehr an als ohnehin schon bevor. Göttlich war auch, dass Mickey seinen Fehler nicht sofort bemerkte und die Phrase mehrmals lautstark wiederholte „Dein Fuß hat ein ernsthaftes Problem, ich werde jetzt nicht gehen, ich will mich beschweren!“

Wie auch immer, im Endeffekt wollten wir dann nicht über 2 Stunden auf den Zug warten und dann nochmal 2 Stunden zurück nach Beijing fahren, also nahmen wir uns ein Taxi, JA richtig gelesen, ein Taxi von Tianjin nach Beijing um ca 30 Euro. Da wir zu 4. waren war das dann ein angenehmer Fahrpreis und nach 2 Stunden kamen wir schließlich um 6 in der Früh an.