Da Peking mit seinem trockenen und smogigen Klima alles andere als eine romantische Weihnachtsatmosphäre liefert musste ich mir etwas einfallen lassen wie ich mich so schnell wie möglich in Wehnachststimmung bringen kann. Ich weiß nicht, in Wien ging mir Weihnachten eigentlich immer mehr auf die Nerven als dass es mir Freude bereitete. Vmtl. V.a. wegen des ganzen Trubels um dieses Fest. In den letzten Jahren war es für mich immer schwieriger in diese Festtagsstimmung zu kommen. Als ich klein war war isch schon in den letzten Novembertagen aufgeregt, mittlerweile bin ich es nicht mal mehr am 24. selbst. Das sollte dieses Jahr anders werden – trotz mehr als 7000km Distanz zur vertrauten Heimat.
So begann ich Anfang Dezember mich auf die Suche nach einem Adventkranz zu machen – vergeblich. Doch pünktlich zum ersten Advent hatten die Johanna und ich dann selbst einen Adventkranz gebastelt, einfach ein paar Tannenzweige vom Unicampus genommen, 4 Kerzen im Supermarkt gekauft und etwas Alufolie zusammengerollt und um den Kranz gebunden – als Silberelement. Am 2. Advent wurde dann der Weihnachtsbaum gekauft. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass es ein Plastikexemplar mit Lichterkette ist, aber echte Bäume gibt’s hier einfach nicht zu kaufen. Dafür denken die Chinesen viel zu pragmatisch. „Warum sollte ich mir einen echten Baum kaufen, den ich dann nach einem Monat wegschmeißen muss, wenn ich im Supermarkt um einen Bruchteil des Geldes einen ebenso schicken Plastikbaum bekomme, den ich noch dazu jedes Jahr wieder verwenden kann?!“
Somit waren mal die klassischen Weihnachtsutensilien beschafft und langsam kehrte bei mir zu Hause Weihnachtsflair ein. Ebenfalls ab dem 2. Advent gab es bei mir wöchentlich mind. 2 Punsch Parties, bei denen ich allen Nichtösterreichern dieses tolle Getränk vorstellen konnte. Leider war und ist so ein Punschabend sehr kompliziert und kostpielig, weil man die Hälfte der benötigten Zutaten hier entweder nicht bekommt oder sauteuer as Importware kaufen muss. Das beginnt schon mal beim Wein, da der billigste Suffwein im Supermakrt nicht unter 5€ zu haben ist. Des weiteren ist dunkler Rum nirgends erhältlich, weißen Rum gibt’s nur in Form von Bacardi zum Preis von 15€ die Flasche (mehr als doppelt so viel wie bei uns). Sachen wie Zimt sind nur sehr schwer zu bekommen, Gewürznelken …häh? Das steht nicht mal in meinem Deutsch-Chinesisch Wörterbuch. Somit war Improvisieren angesagt, aber nichts desto trotz hat es allen jedes mal vortrefflich geschmeckt.Letzten Endes hab ich mir dann noch Lichterketten gekauft (ja ich weiß, kitschig), aber um grad mal 1€ pro 5 Meter Kette musste ich einfach zuschlagen. Damit wurde nun auch die ganze Wohnung geschmückt.
Am Christtag selbst kam leider erst mäßig Stimmung auf, da ich nach wie vor Uni und nicht wie in Österreich Weihnachtsferien habe. Sprich ich war zu Weihnachten mehr oder weniger gezwungenermaßen auf der Uni, da wir demnächst Prüfungen haben. Es war aber auch irgendwie total unsinnig, weil man sich sowieso nicht konzentrieren konnte. Die ganze Zeit hat man an Weihnachten bzw an alle Freunde und Verwandte zu Hause gedacht. Selbst einer unserer Klassenbesten konnte auf Fragen des Lehrers nicht antworten. Offensichtlich den Tränen nahe brachte er nur heraus dass er einfach mit seinem Kopf woanders sei, bei seiner Familie zu Hause. Aber die Lehrer hatten wenigstens volles Verständnis. Generell war die Uni in den letzten Tagen vor Weihnachten wie ausgestorben da doch ziemlich viele Leute über Weihnachten nach Hause geflogen waren. Heute waren wir zB gerade mal 5 Leute in der Klasse, obwohl wir 21 Klassenschüler haben.
Am Nachmittag nach der Uni hieß es dann für mich Wohnung für die Weihnachtsfeier vorbereiten. Dabei hab ich mal gleich im Vorbeigehen den Christbaum mitsamt seiner ganzen Beschmückung mgeschmissen woraufhin der Christstern abgebrochen ist. Man muss aber auch dazu sagen, dass der Baum nur in einer Bierflasche steht (weil der Standfuß gefehlt hat) und dementsprechend instabil ist. Dann hab Wäsche gewaschen und hab auf die waschende Waschmaschine den Porzellandeckel der Klospülanlage gelegt. Der Deckel ist vom WC entfernt, weil der sonst auf einen Spülteil drückt und somit die ganze Spülwanne des Klos permanent zum Überlaufen bringt. Gut. In der Zwischenzeit hab ich im Vorzimmer und in der Küche die restliche Weihnachtsbeleuchtung aufgehängt – mit simplen Tixo. Was zur Folge hatte, dass das natürlich gar nicht gehalten hat und ich alles immer doppelt und dreifach kleben musste damit alles hält. Ich möchte gar nicht wissen wieviel Meter Tixoband ich dabei verbraucht hab. Kaum bin ich mit dem Tixo Kleben fertig höre ich einen unglaublichen Krach, irgendetwas ganz Großes geht in Brüche, in meiner Wohnung. Zuerst dachte ich mir, dass vl eine der viele Falschen in der Küche auf den Boden efallen ist. Fehlanzeige. Es war der Porzellandeckels meiner Spülautomatik vom Klo, der während des Schleuderganges von der Waschmaschine durch die Vibrationen von der Waschmaschine gewandert ist und am Biden in 100 Sücke zerbrochen ist. Gott sei Dank hatte ich soviel Glück, dass die Fließen auch nicht gesprungen waren. Trotzdem, ich kam mir echt vor wie im Film „Hilfe es weihnachtet sehr“, doch letztendlich ist alles gut gegangen. Zuerst bin ich mit ein paar Freunden in ein Restaurant um die Ecke gegangen wo wir Peking Ente und andere chines. Spezialitäten gegessen haben. Danach gings zu mir nach Hause um bei Lichterketten- und Adventkranzkerenlicht Punsch zu trinken begleitet von den Wiener Sängerknaben. Österreichische Kultur auf der andren Seite der Welt. Summa Summarum waren wir ca ein Dutzend Leute und es war sehr nett!
Heute hatte ich auch schon meine erste Prüfung, ist gut gegangen. Die restlichen Prüfungen sind vom 5-7. Jänner, danach geht’s am 9. Jänner bereits für 2 Wochen nach Japan. Werde dort entgegen meinen ursprünglichen Plänen mit einer kürzlich kennen gelernten Indochinesin hinfahren, da sie zufällig zur selben Zeit im Land ist wie ich, und unter anderem meinen guten alten Bundesheerkameraden Daniel besuchen sowie natürlich das Land selbst besichtigen. Aber auch ansonsten ist mir derzeit nicht langweilig, denn neben dem Prüfungsstress hab ich derzeit auch Besuch von Anna, Andrea, Basti und Lisi bekommen, die über Neujahr dableiben. In diesem Sinne wünsche ich euch allen Frohe Weihnachten aus Peking und falls es sich nicht mehr für einen neuen Eintrag in den kommenden Tagen ausgeht auch gleich einen guten Rutsch ins Jahr 2009!