Dienstag, 18. November 2008

Das Arsch-Problem

Man kann eigentlich schon behaupten, dass der Winter an Beijings Türen anklopft. Oder ist es der Herbst, der noch in der Stadt ausharrt? Schwer zu sagen. Der Winter unterscheidet sich in Beijing vom Herbst nur durch die Temperaturen. Schnee gibt’s hier sowieso nie, obwohl im Winter mal locker Minus 20 Grad erreicht werden. Derzeit ist das Wetter so eine Art Zwischenstufe. Für den Winter ist es eigentlich mit ca 5 Grad noch viel zu warm, für den Herbst erstrahlen dafür nur noch sehr wenig Bäume in gelb/roter Blättertracht – die meisten sind bereits kahl. Vom Wetter her ist es unterschiedlich. Meistens ist es heiter mit viel Sonnenschein und viel Wind. Alle paar Tage gibt es Smog vom feinsten, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt, mit Sichtweiten bis zu max. 300 Metern. In der Nacht, wenn sich die untertags aufgewirbelte Luft langsam wieder auf die Stadt senkt sinkt die Sichtweite auf 100 Meter herab, bis auf die Straßenbeleuchtungen/Ampeln etc. sieht man eigtl nicht viel.

Die Heizungen wurden mittlerweile landesweit auch schon eingeschalten, auf der Uni etwas früher. Bei mir funktioniert die Heizung aber noch immer nicht gut. Zwar ist sie jetzt wenigstens lauwarm, wenn man draufgreift, man fühlt auch wie das Heizwasser durch den Heizklörper rinnt. Aber egal wie sehr man an den Heizrädern herumdreht, es wird weder wärmer noch kälter, es bleibt konstant….ja. nicht mal lauwarm. In solchen Momenten bin ich Froh eine Südwohnung zu haben (Ich seh mich schon wie ich im Sommer fluchen werde). Derzeit „heize“ ich vorwiegend mit Sonnenlicht. Sprich. In der Früh nach dem Aufstehen: Vorhang auf (der is in der Nacht zu um die kalte Luft, die bei den undichten Fenstern reinkommt, abzudämmen), Fenster auf. Dann wird durchgelüftet, während ich auf der Uni bin. Zu Mittag komm ich dann nach Haus, da ist es meistens schön warm, obwohl das Fenster ca 5,5 Stunden durchgehend offen is. Aber die Sonne heizt das Zimmer schön auf. Dann wird das Fenster zugemacht, weiteres Sonnenlicht gespeichert. Gegen 17 Uhr, wenn es zu dämmern beginnt,wird der Vorhang zugezogen, die Wärme bleibt so am besten gespeichert.

Gestern hab ich mir auch zusätzlich endlich gute Hausschuhe (aus Stoff!) gekauft, bisher bin ich zu Hause immer mit den Badeschlapfen oder ar mit den Schuhen rumgerannt, weil mans in Socken einfach nicht aushält. Apropos einkaufen: Gestern hab ich mir auch endlich Hosen gekauft, wintertauglich und passend noch dazu. Hatte ich eigtl schon seit Wochen vor: Ich bin mit 4 Hosen nach Beijing gekommen: 2 davon sind unbrauchbar (Reißverschluss hin, hab ich natürlich erst hier gmerkt) und die restl. 2 sind mittlöerweile extremst lädiert: Löcher im Schritt UND saudünn, Leinenhosen halt. Wie ich auf dem Weg zur Uni gefroren hab brauch ich glaub ich nicht erwähnen. War also eh scho längst Zeit das mal zu erledigen, nur: Anscheinend ist mein Arsch für China wirklch zu fett. Denn egal bei welchem Markt ich war, überall hab ich die größte Hosengröße anprobiert und sie hat mir nicht gepasst. Ich mein ich hab schon reingepasst, aber es war halt schon seeeehr eng. Ich dachte mir nur: Bitte, was macht ein Dicker in China? Ich bin 1,80m groß und wiege 80Kilo, würde mich also wirklich als Durchschnitt bezeichnen. Aber hinzu kommt: Chinesen haben einfach keinen Arsch, weder Frau noch Mann. Dem passt sich natürlich die Modeindustrie an. Nicht mal in Markengeschäften wie zB Esprit hatten sie eine größere Größe, die mir passen würde! Ich war echt am Verzweifeln und hab mich echt schon gesehen, wie ich bei einem Schneider mir eine Hose um was wei0 ich wieviel Geld anfertigen darf, und das in CHINA, dem Land der Billigmode!

Naja, gestern war ich auf jeden Fall mit einer Freundin einkaufen, dachte mir: Ok, dieses eine mal probieren wirs noch auf einem Markt mt Hose kaufen. Nachdem die ersten paar Standln erwartungsgemäß nicht meine Größe hatten gabs dann aber doch einen Stand, der meine Größe hatte, er hätte sogar bei Bedarf NOCH größere Größen gehabt! Ich war wie weg. Hab dann mal gleich mehrere gekauft, die hat das Geschäft ihres Lebens mit mir gemacht.

Auf der Uni geht es daweil mäßig dahin, es ist irgendwie jeder in diesem Loch zwischen Zwischen- und Endtest drinnen. Sprich es is nicht wirklich was los bzw viel zu tun, man lernt halt gemütlich mit und nimmt alles locker. Dementsprechend leer sind in letzter Zeit auch die Klassen, viele kommen erst in der 2. Stunde und schlafen die erste gemütlich aus. Bin schon gespannt, wie das zu Weihnachten werden wird, wenn so gut wie jeder (und wenn ich das schreibe dann meine ich das auch so) nach Haus fährt außer mir. Seh mich dann schon mit dem Lehrer und 2 andren Schülern in der Klasse sitzen ^^. Aja, getreu der chinesischen Arbeitseinstellung haben wir natürlich keinen einzigen Tag frei zu Weihnachten, nicht mal am 25. selbst! Wenigstens haben wir am 1.1. frei, da hat die Partei eingesehen, dass auch die Chinesen zu Neujahr (auch wenns nicht das chines. Is) mal gern einen heben und am nächsten Tag zu nichts zu gebrauchen sind ;)

Samstag, 1. November 2008

Formel 1, Frost & Melamim Skandal Part II

Heute ist Halloween und ganz Beijing ist verrückt nach diesem….naja sagen wir mal von mir nicht allzu sehr begrüßten Fest. Und ganz Beijing ist auch übertrieben. Eigentlich wird es nur von den Westlern hier gefeiert, und unter denen auch nur von den ganzen US Amerikanern und Kanadiern, der Rest feiert halt gezwungenermaßen mit, weil heut Wochenende is. Heut auf der Uni hab ich schon so viele Leute in Kostümen rumrennen gesehen und von jedem dritten bekommt man „Happy Halloween“ Glückwünsche. Find ich zwar nett, jedoch relativ seltsam, da ich die Happy Phrase vl. 3 mal im Jahr verwend: Frohe Weihnachten, Frohes Neues Jahr und Alles Gute zum Geburtstag und evtl zu Ostern. Naja, Leben und leben lassen, auf jeden Fall wird das heute das erste Wochenende sein, an dem ich nicht fortgehe, seit ich in Beijing bin. Und das ist auch gut so, da ich kommende Woche von MO bis MI 5 Prüfungen hab. Es geht nicht darum, dass ich am Abend was lernen würde. Aber es geht einfach darum, dass der nächste Tag einfach dahin ist, wenn man schon mal erst um 14 Uhr aus dem Bett kommt. Noch dazu hat uns heute unser Lehrer gesagt, dass wir bei dem Test am Montag (dem schwierigsten) kein Wörtebuch verwenden dürfen, was ich echt lächerlich finde, da ich mittlerweile schon das dritte Jahr Chinesich lerne. Selbst wenn, was für einen Vorteil hab ich, wenn ich das Wörterbuch verwende? Was stört alle Lehrer dran? Die Grammatik muss ich ja sowieso lernen, die steht ja nicht da drin. Und man kann ja nicht allen Ernstes von mir verlangen, dass ich jedes einzelne Vokabel kann. Und speziell im Chinesischen ist es halt so, dass es spezielle Schlüsselwörter in einem Satz gibt, und wenn man die nicht weiß kann man die ganze Aufgabe nicht lösen. Außerdem studieren ich weder Dolmetschen, wo ich jedes Wort können muss, noch werde ich zu einer Übersetzungsmaschine „erzogen“. Naja wie auch immer, auf jeden Fall heißts jetzt doppelt so hart lernen.

Die vergangenen Wochen: Vor mittlerweile 2 Wochen war ich beim Formel 1 Grand Prix von Shanghai, was ziemlich cool, wenn auch chaotisch war. Zuerst bin ich mit dem Nachtzug nach Shanghai gefahren, dort am Donnerstag in der Früh angekommen. Gewohnt hab ich am Campus der Shanghai Daxue, da die Zimmer dort relativ günstig sind und eine Freundin von mir dort studiert. Am Freitag in der Früh hab ich mich dann auf den Weg zur Rennstrecke gemacht. Es war halt leider etwas chaotisch diesen zu finden, da weder auf der Internetseite der Formel 1 noch auf der Seite des Rennstreckenbetreibers IRGENDEIN Wort über den Shuttle Bus verloren wurde. Mir war aber klar, dass es einen geben MUSS, und durch einen mehr oder weniger großen zufall hab ich dann in der Shanghai Daily rausgefunden (!!), dass der Shuttle Bus von Punkt XY in Shanghai wegfährt. Gut. Am Stadtplan nachgescgaut wo das is, GOTT SEI DANK ist dort ne Ubahn hingefahren. Gut, mit der sauteuren Ubahn hingefahren doch dort ging das Chaos weiter. Natürlich nirgends was angeschrieben, als ich aus der Ubahnstation rausging musste ich mich bei 100 Leuten durchfragen wo der Shuttle Bus wegfährt. Doch nach ca 15 Minuten war auch dieses Problem gelöst und ich konnte mich für schlappe 50 Kuai bequem zur Strecke transportieren lassen. Dort angekommen ging das Chaos hedoch weiter. Zunächst einmal damit, dass der Bus genau am anderen Ende der Rennstrecke stehenblieb anstatt beim Haupteingang. Gut. 20 Minuten um das Riesengelände rumhatschen und dabei hunderte Chinesen abwimmeln, die dir versuchen irgendwelche gefälschten Fanartikel anzudrehen. Beim Haupteingang hieß es dann jedoch den Ticketschalter suchen. Da ich meine Karten im Internet bestellt hatte musste ich meine Gutscheine beim Ticketschalter in echte Renntickets umtauschen. Der Ticketschalter hatte original die Größe von einem „Dixi-klo“ und war natürlich nirgends angeschrieben. Die Orientation Map war auch dermaßen unbrauchbar, dass eine Odyssee durchs Renngelände unvermeidbar war. Doch nach ca 30 Minuten Sucherei war auch das beendet. ENDLICH konnte ich meinen Platz beziehen. Mein Sitz war echt super. Auf der Start/Ziel Gerade genau bei der ersten Kurve und vl.5 Meter von der Strecke entfernt :)

Da ich schon ziemlich zeitig in der Früh dort war konnte ich mir auch das volle Rahmenprogramm bis 17 Uhr nachmittags geben, ehe ich dann zurück in die Stadt fuhr und genau zur Rush Hour auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen war. Ich mein, ich glaubte ja in Peking schon alles in dieser Hinsicht erlebt zu haben, aber in Shanghai machte ich komplett neue Erfahrungen. Speziell als es darum ging in meinen Bus zur Uni einzusteigen. Ich mein das is eine Linie, die von unglaublich vielen Leuten genutzt wird, weil keine andre Linie den Zielort anfährt. Trotzdem kommt der Bus nur ca alle 20 Minuten und is beim Ankommen schon gerammelt voll. Gut. Den ersten Bus durfte ich mal fahren lassen, nachdem ich 20 Minuten gewartet hatte, weil echt niemand mehr reinpasste. Nach summa summarum 45 Minuten warten (!) konnte ich mich dann noch als letzte Person in den Bus reinquetschen – und wenn ich quetschen sage dann meine ich das auch, es war ca so wie in diesem einen berühmten Youtube Video von der japanischen Ubahn. Der Vorteil daran: Man musste sich nicht festhalten, da selbst bei einer Vollbremsung oder bei einer Vollbeschleunigung überhaupt kein Spielraum mehr war und man wirklich wie angenagelt in der Masse war.
Naja, Am Abend ging ich dann noch mit ein paar Leuten weg, was insofern ziemlich fatal war, als dass am nächsten Morgen mein Wekcher (warum auch immer) nicht läutete und ich erst um 11 aufwachte (!). Gut. Damit war mal klar, dass ich nicht öffentlich zur Strecke kommen konnte, da dies 2,5 Stunden benötigte. Also raus aus dem Bett, auf die Straße und das nächste Taxi geholt. Dann musste ich mal dem Taxi Fahrer klar machen wo die Rennstrecke is (ich, als jemand aus Peking, einem Shanghaier Taxi Fahrer!). trotzdem hat der gar nix gecheckt. Gut. Daraufhin sind wir zu ihm nach Haus gefahren (for free natürlich) und ich hab mit seiner Tochter geredet, da die ein bissl Englisch konnte. Doch das half auch nix weiter, ich habs dann mit Chinesisch probiert und im Endeffekt kam raus, dass sich die Tochter offenbar besser auskannte als ihr Vater ^^. Gut, noch gerade rechtzeitig zum Qualifiying auf die Strecke gekommen. Der restl. Tag war üblicher Rennalltag auf der Tribühne, Rahmenprogramm bis zum Schluss schauen, dann wieder mit dem Shuttle Bus zurück in die Stadt.

Sonntag Renntag war einach nur geil. Der Laden war gerammelt voll und die Stimmung war einfach sau leiwand. Ich saß zwar im Ferrari Sektor, jedoch saßen bei mri 5 Briten, die alle wie ich McLaren Fans waren, dementsprechend haben wir für Stimmung gesorgt ;) Das einzige was mich wirklich angegangen ist war die Bier Versorgung. Auf den Tribühnen selbstwurde zwar vom Ohrenschutz bis zu Feldstechern alles verkauft, aber kein Bier! Man musste also jedes mal die Tribühne verlassen um sich teureswarmes Bier an einem überfüllten Verkaufsstand zu holen. Schließlich war es nur eine Frage der Zeit, bis das Bierausverkauft war (!), ich glaub da haben die Veranstalter die Fans wirklich zu sehr unterschätzt. Folgedessen blühte zunächst der Handel unter den Fans und man war gern bereit einem anderen Fan einen kleinen Aufpreis für dessen Biervorrat zu zahlen. Doch irgendwann hatten nicht mal die Fans mehr Bier. Gut. Es war ca 20 Minuten vor Rennbeginn und es war kein Bier da, also ABSOLUTES Horrorszenario. Also beschloss ich mal mich auf die Suche zu machen. Gut, die Getränkestände waren ausverkauft, aber wenn man zum Zaun des Rennareals ging, waren dort 100 Chinesen, die einem wieder Fanartikel andrehen wollten. Gut dachte ich mir, da wird ja wohl einer so schlau sein und auch Bier verkaufen. Und wirklich! Da gab es einen Typen, der Bier en masse dabei hatte. Gut gleihc zu dem hin, das Bier (in größeren Dosen!) zu einem im Vgl zur Rennstrecke extrem niedrigen Preis gekauft. Hab gleich eine Palette Bier gekaft, 5 Bier für mich reserviert. Den Rest hab ich dann auf der Tribühne zu doppelten Preis den Fans verscherbelt, war also im Endeffekt ein echt gutes Geschäft :)

Naja. Danach war ich noch einen Tag in Shanghai mich ausruhen ehe es dann am Dienstag mit dem Highspeed Zug (statt 12 Stunden nur 10 Stunden Zugfahrt :) )wieder zurück ins kalte Beijing ging.

Womit wir auch schon beim nächsten und letzten Thema für diesen Blogeintrag wären. Mittlerweile hat der Herbst in Peking schon voll eingesetzt. Es hat in der Früh ca 5 Grad un untertags kommt es mit Mühe noch auf 15 Grad, was sich allerdings wie 10 anfühlt da meist ein eisiger Wind geht.Dafür haben wir fast jeden Tag blauen Himmel. Der Nachteil an diesen ganzen Temperaturschwankungen ist, dass die Heizungen in China von der Partei reguliert werden, sprich die Partei bestimmt wann die Heizungen eingeschaltet werden (das ist im Moment der 15. November). Bis dahin heißt es frieren, vor allem in der Nacht ist es mittlerweile so kalt (trotz geschlossener aber anscheinend undichter Fenster/Bauweise), dass ich gezwungen bin in meinem Militärschlafsack zu schlafen. Auch gegen Abend muss ich im Pullover und mit Schuhe dasitzen, weil es einfach so kalt is. In der Uni ist es auch normal, wenn in der Klasse alle mit den Wintermänteln sitzen und der Lehrer seinen Vortrag im Wintermantel hält. Naja. Jetzt heißts noch 2 Wochen frieren :)

Ein Thema ist derzeit wieder ganz aktuell. Der Melamim Skandal, der im September in aller Munde war, hat sich nun ausgebreitet.War im September Melamim nur in chinesischen Milchprodukten gefunden worden, wurde jetzt auch in Fleisch und Eiern Melamim gefunden, da der Stoff anscheinend den Tieren zum Fressen gegeben wurde! In China selbst ist noch nichts offiziell, ich habs selber erst vor 2 Stunden von einem Freund erfahren, der es auf der BBC Homepage gelesen hat. Bin echt gespannt was sich in der Hinsicht jetzt tun wird.