Doch all das nutzte offenbar nichts. Denn Montag Abend Ortzeit flimmerte die Schreckensnachricht zum ersten mal über die TV Schirme. H1N1 hat nun auch die VR China erfasst. Konkret handelt es sich dabei um einen einzigen Fall, ein Auslandschinese, der aus den USA kommend zunächst nach Tokyo und dann wenige Tage später nach Beijing eingereist war. Von Beijing aus hatte er dann noch am selben Tag einen Weiterflug nach Chengdu. Beides Flughäfen, die bzgl. H1N1 Überwachung nicht ausreichend ausgestattet waren. Das absolute Horrorszenario ist nun also Realität geworden. Noch dazu ist das ganze erst im Nachhinein klar geworden, sprich man darf jetzt obendrein auch noch all jene Passagiere ausfindig machen, die sich an Board jener 2 Maschinen (der nach Beijing und Chengdu) befunden haben. Seit Montag Abend läuft deshalb auf sämtlichen TV Stationen ein Dauer-Infoband über die Schirme, weches betroffene Fluggäste auffordert sich umgehend beim nächsten Meldeamt zu melden bzgl Gesundheitscheck. Die Tatsache, dass dieses Infoband nicht nur in Chinesisch, sondern auch in Englisch über die Schirme läuft verdeutlicht die Nervosität der chines. Behörden. Zu groß ist die Angst vor einer Pandemie – in Millionenmetropolen wie Beijing oder Chengdu nicht zu unterschätzen – zu tief sitzt noch der Schreck der Vogelgrippe anno 2003. Auch in öffentlichen Plätzen wird mittlerweile versucht mittels Infoschilder die Bevölkerung auf Präventivmaßnahmen und Gefahren von H1N1 aufmerksam zu machen. Das Thema beherrscht nun endgültig die Medien.
Neben einem anderen Thema: Das Sichuan Erdbeben anno 2008, welches sich gestern Dienstag zum ersten mal gejährt hat. In den gestrigen Abendnachrichten gab es diesbzgl. Einen ausgedehnten 25 Minuten langen Spezialreport (!), inkl. einer Ansprache des Präsidenten Hu Jintao an das Volk: China und dessen Bevölkerung sei durch dieses Ereignis nur noch mehr zusammengeschweißt worden und zeige mehr Verbundenheit als je zuvor. Das zeigen allein schon die nach dem Beben national angelegten Spenden- und Hilfsaktionen, die als „einzigartig“ in der chines. Geschichte betrachtet werden können.
Klar, die damals gesammelten Spenden in der Höhe von ca 700 Mrd Yuan sind auch trotz Chinas Bevölkerung erstaunlich und wurden während der gesamten Berichterstattung gekonnt hervorgehoben. Ebenso gekonnt verschwiegen wurde die Tatsache, dass zigtausende Menschen v.a. ihr Leben verloren hatten, weil es die Provinz- und Regionalregierungen verabsäumt hatten in erdbebensichere Bautechnik zu investieren, obwohl jene betroffenen Ortschaften im meist gefährdetsten Erdbebengebiet Chinas liegen). Vergangenheitsbewältigung auf Chinesisch.
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