Sonntag, 8. März 2009

2. Jahr fix

Ein Monat kein Eintrag, entschuldigung an dieser Stelle, aber Jänner und Februar war ich de facto nie zu Hause da ich nur herumgereist bin oder mit Unistress beschäftigt war. Viel hat sich dementsprechend getan.

Die Hälfte vom Februar bin ich mit Freunden in Südchina herumgereist. Auch wenn wir unglaublich viel erlebt haben kann ich das hier jetzt nicht zusammenfassen, das würde einen eigenen Buchband erfordern. Fotos gibt es aber bereits im StudiVZ und im Facebook und die sprechen eh für sich.

Mitte Februar hat dann auf der Uni mein neues Semester begonnen. Bin jetzt in der nächsthöheren Stufe (Lower Intermediate) und das Niveau ist doch schon um einiges höher als letztes Semester. Zum Beispiel hab ich dieses Semester bereits auch Spezialfächer wie Wirtschaftschinesisch und Geographie, da is die Anzahl der Spezialvokabel doch schon um einiges höher. Und auch in den sonstigen Fächern wird viel mehr gefordert, find ich aber auch gut, da fall ich nicht so leicht in ein Motivationstief.

Andere große Neuigkeit: Auch wenn es der eine oder andere vl. Eh schon seit einigen Tagen weiß, aber mittlerweile ist es fix, dass ich ein weiteres Jahr in Peking bleibe. Ursprünglich wollte ich ja schon nach diesen 2 Semestern wieder im Herbst nach Wien kommen. Jedoch spiel ich aber schon seit November mit dem Gedanken länger hier zu bleiben. Zum Einen, weil ich einfach merke wie sehr sich meine sprachlichen Fähigkeiten hier verbessern. Mir kommen die 2 Jahre Sinologiestudium in Wien mittlerweile nur noch wie reine Zeitverschwendung vor. Hier kann ich das Erlernte einfach immer und überall anwenden. In Wien genau gar nicht. Und ich hatte auch einfach Angst das hier erlernte Chinesisch nach einem Jahr hier und dann wieder in Wien schnell zu vergessen. Weil mans einfach nieüben kann. So hab ich jetzt Zeit meinen Grundstock in Chinesich um einiges zu festigen. Und wenn mein Lernprozess so weitergeht wie bisher, dann traue ich es mir zu, dass ich fließend Chinesich sprechen kann, wenn ich nach 2 Jahren in China zurück komme. Zumindest hoffe ich das. Mittlerweile läuft es echt gut. Ich kann wildfremden Personen zuhören und verstehe bis auf wenige Details alles (vorausesetzt es wird nicht der ärgste Süddialekt gesprochen), ich kann mir Filme ohne englische Untertitel anschauen, und auch das Fernsehen wird immer durchsichtiger für mich.

Soviel zum sprachlichen Aspekt. Das andere ist, dass ich es mir derzeit einfach überhaupt nicht vorstellen kann wieder zurück nach Wien zu gehen. Natürlich würde ich mal gern wieder alle Freunde sehen. Aber seit ich hier in Peking bin hab ich mich einfach mit jedem Tag mehr bestätigt gefühlt, dass die österr. Mentalität (abgesehen von meinen Freunden, also die der Bevölkerung) einfach nur zum Kotzen ist. Und das betrifft so gut wie alle Bereiche des täglichen Lebens. Ich hab dieses Herumgesudere und das Kleinkarierte einfach satt und jedes mal, wenn ich auf die ORF ON Seite schau und mir dort die „Probleme“ unseres Landes anschau, schäm ich mich wirklich für unser Land, dass wir keine anderen Sorgen haben. Auch wenn es für mich davor schon irgendwie eingeplant war, so ist es seit China für mich fix, dass ich meine Zukunft mit 100 prozentiger Sicherheit nicht in Österreich verbringen will. Abgesehen davon, dass ich als Sinologe in Österreich von Haus aus so gut wie keine zukunft habe und auch nicht haben will, ich möchte einfach weg aus meinem Land. Natürlich wird es auf ewig meine Heimat bleiben, nur ist Peking mittlerweile auch eine 2. Heimat für mich geworden. Ich merke es wenn ich in China herumreise. Wenn ich in andre Städte fahre und dann bei meiner Rückkehr nach Peking mich wirklich wohl fühle. Dieses typische „Zu Hause sein“ Gefühl eben. Dieses Familiäre.

Demenstprechend schaut mein Plan für die nächsten Jahre wie folgt aus. Ich werde nicht zwischendurch nach Österreich kommen, so lange ich hier studiere. Sprich ich bin das nächste mal im September 2010 wieder in Wien. Ich hatte zwar kurz vor in den Sommerferien 2009 nach Österreich zu kommen und zu arbeiten, da ich jetzt aber mittlerweile hier eine Arbeit als Deutschprofessor gefunden habe, bei der ich 11€ netto pro Stunde verdiene und diesen Job auch im Sommer ausführen kann, ist diese Option endgültig gestorben. Herbst 2010 komme ich also wieder nach Österreich, brauche dann noch genau ein Semester um den Bachelor abzuschließen. Danach 4 planmäßige Semester für das Masterstudium, das mich sicher auch wieder „zwingen“ wird für 2-3 Monate nach China zu gehen. Danach ist noch viel offen, ursprünglich wollte ich noch 4 Semester auf die diplomatische Akademie gehen, aber fix ist derweil noch nix, ich sprech hier von den nächsten 4-5 Jahren, da kann sich noch so viel ändern, so viel dazwischen kommen. Auch wenn ein Job in der Diplomatie mein Traumjob wäre, so ist der Abschluss des Masterstudiums derzeit das einzige, was ich wirklich fix vor habe. Und dann ab nach China, vorzugsweise Peking. Für den Rest meines Lebens. Also wirklich dort leben und arbeiten. Ich habe in diesem halben Jahr, in dem ich hier am andren Ende der Welt bin, innerlich mit Österreich abgeschlossen, und wenn ich meinen Master hier in China machen könnte würde ich es auch sofort tun. Mein Zukunft sehe ich jedoch in China bzw Ostasien angesiedelt.

Ich weiß, das ganze mag vl jetzt etwas voreilig klingen, aber ich habe diese Gedankenmodelle schon seit ich 2006 zum ersten mal in China war und Sinologie zu studieren begonnen habe, de facto war der längere Aufenthalt hier jetzt nichts anderes als der ausschlaggebende Punkt, der den sprichwörtlichen Stein letztendlich ins Rollen gebracht hat. Ich bin froh Sinologie zu studieren und ich bin froh, dass ich einer der wenigen Studenten bin, die vom Anfang an das Glück hatten gleich das Studium zu finden, das sie am meisten interessiert.

Ich verspreche euch, dass wir sicher noch viel Spaß haben werden, wenn ich von Peking zurückbin, ehe ich dann wieder einige Jahre später ebenda zurückkehren werde. Wir werden die Zeit nutzen, das verspreche ich euch. Danke, dass es euch alle gibt!