Ein kurzer Nachtrag noch zur gestern stattgefundenen Nobelpreisverleihung an Liu Xiaobo. Dass dieser Peking ein Dorn im Auge ist wurde bereits im vorangegangenen Blogeintrag zu Genüge erläutert und ist an sich wenig überraschend.
Überraschend war jedoch für viele Beobachter die Art und Weise wie gegen die Preisverleihung seitens der chines. Regierung vorgegangen wurde. Denn abgesehen von der „Totschweigen“- und der Zensurmethode (Tausende Sittenwächter überwachten Internetuser am Tag der Verleihung und trennten die Signale von internationlen TV Nachrichtensendern, sobald ein Bericht über den Nobelpreis gesendet wurde) kam man in Peking kurzfristig zu dem Schluss einen eigenen Friedenspreis, den Konfuziuspreis, ins Leben zu rufen – eine Veranstaltung, die im Nachhinein an Peinlichkeit wohl kaum zu übertreffen war; und das gleich aus mehreren Gründen:
Erstens, weil die Idee des Konfuziuspreises offiziell von einer Gruppe aus unbekannten chines. Professoren und Intelektuellen erfunden worden sein soll, welche gebetsmühlenartig wiederholten, dass sie selbstverständlich rein gar nichts mit der chines. Regierung zu tun hätten. Woher das Preisgeld von mehr als 100.000 Yuan (ca. 11.400 Euro) dann im Endeffekt kam und warum die Konfuziuspreisverleihung ausgerechnet einen Tag vor der Nobelpreisverleihung angesetzt war, konnten die werten Herren den Journalisten bei einer hastig einberufenen Pressekonferenz dann jedoch nicht erklären.
Womit wir schon bei Punkt zwei wären, der Tatsache, dass ein Geldbündel den Preis an sich darstellt. Nicht nur, dass es geradezu absurd ist DAS Symbol des Materialismus - Geld - mit DEM idealistischen Wert Frieden in Verbindung zu bringen, diese philosophische Perversität zeigt v.a. auch die Einstellung der chines. Regierung, dass mit Geld allein alles zu lösen sei und spiegelt sich auch in der alltäglichen Innenpolitik sowie der Argumentation bzgl. des alleinigen Machtanspruchs der Partei wider: Frei nach dem Motto: Es gibt zwar eventuell Ungerechtigkeiten, aber ein dank der Partei derart hohes Wirtschaftswachstum und daraus resultierender Reichtum seitens der Bevölkerung, sollte genügen um diese Ungereimtheiten zu kompensieren.
Drittens, weil China noch vor wenigen Wochen gemeint hatte, der Nobelopreis habe an Bedeutung verloren, da er mittlerweile zu einem politischen Instrument verkommen sei – und nun mit seinem eigenen Konfuziuspreis genau diesen Vorwurf in die Praxis umsetzt. Denn der Preisträger ist kein Geringerer als Lien Chan, der von 1996 bis 2000 Vizepräsident von Taiwan war (welches bekannterweise von China als abtrünnige Provinz angesehen wird) und sich stark gegen eine Unabhängigkeit Taiwans und für eine stärkere Kooperation mit Festland China aussprach. Soviel zu „politisches Instrument“.
Viertens, quasi als das Sahnehäubchen obendrauf, wurde Lie Chan nicht einmal bzgl. der Preisverleihung verständigt, wusste dementsprechend nichts davon und war auch am Tag der Preisübergabe natürlich nicht vor Ort um den Preis entgegenzunehmen. Stattdessen nahm ein kleines Mädchen mit Pferdeschwanz das Bündel Geld entgegen, deren Relation zu Lie Chan den Zuschauern bis heute verschwiegen blieb.
Fünftens, weil sich dieser Konfuziuspreis mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit mit der Zeit im Sand verlaufen wird und vielleicht Form halber noch einige Jahre hinweg oder sogar nie mehr verliehen werden wird. Es könnte aber auch durchaus sein, dass sich besagter Preis in Zukunft als praktisches Propagandainstrument für die Partei herauskristalisieren wird. Somit könnte man der Bevölkerung noch leichter vermitteln wie sich der „anständige chinesische Bürger“ richtig zu verhalten habe und nebenbei gäbe es damit auch noch eine Wohlfühlmeldung mehr in den Abendnachrichten um von den täglichen Problemen und Ungerechtigkeiten im Alltagsleben vieler Chinesen abzulenken.

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