Donnerstag, 17. Oktober 2013

Im Osten viel Neues

Für viele ist China nach wie vor eines der globalen Expat Paradiese. Der allgemeinen Auffassung zufolge sind Ausländer in China hoch angesehen und erfolgreich bei der Jobsuche. Noch besser haben es gar jene Expats, die von westlichen Firmen für 3-5 Jahre nach China geschickt werden und dementsprechend entlohnt werden: Nettoeinkünfte von mindestens 4000 Euro sind die Regel, darüber hinaus steuert der Arbeitgeber oft auch die Kosten für die Wohnung, die Schule der Kinder sowie einen privaten Chaffeur bei. Doch die Zeiten haben sich geändert. 

Die Weltwirtschaftskrise hat den Großteil der westlichen Unternehmen zum Sparen gezwungen – mitunter ein Grund warum oben genannte Entsendungsaufträge seit Jahren kontinuierlich abnehmen bzw. nicht verlängert werden. Nur in seltenen Fällen schicken Firmen noch hoch spezialisierte Mitarbeiter mit solchen Arbeitsverträgen nach China. Einem ebenso kompetenten chinesischen Mitarbeiter ein für chinesische Verhältnisse überdurchschnittliches Gehalt auszuzahlen ist meist wirtschaftlicher und führt zu ähnlichem Erfolg. Den gleichen Trend kann man bei chinesischen Unternehmen beobachten, die in ihren Stellenausschreibungen immer öfter nur noch nach „native Chinese persons“ suchen. Das liegt v.a. daran, dass sich chinesische Unternehmen mittlerweile „emanzipiert“ haben und ausländisches Know-How nicht mehr in dem Ausmaß benötigen wie in den vergangenen 20 Jahren.

Auch für ausländische Uniabsolventen ist die Jobsuche in China nicht mehr so rosig wie noch vor wenigen Jahren. Seit 2010 hat die chinesische Regierung sukzessive strengere Visumsbestimmungen für arbeitende Ausländer erlassen. Wer als Ausänder in China nun arbeiten will muss mind. 25 Jahre alt sein, benötigt zumindest einen Bachelorabschluss sowie zwei Jahre Berufserfahrung (nach Abschluss des Studiums) im Heimatland. Natürlich muss diese Berufserfahrung auch etwas mit dem Studium zu tun haben, was bedeutet, dass ein Teilzeitjob in der Gastronomie neben dem Jus-Studium für die chinesischen Behörden nicht relevant wäre. Diese skurillen Maßnahmen sollen bewusst den chinesischen Hochschulabsolventen einen Vorteil am Jobmarkt verschaffen. In der Tat gibt es momentan in China so viele arbeitslose Jungakademiker wie nie zuvor. Diese Tatsache lässt sich aber eher auf die aktuell stagnierende Wirtschaftssituation zurückführen als auf in das Land drängende Arbeitskräfte aus dem Ausland. Klar ist jedenfalls, dass mit diesen neuen Verordnungen den chinesischen Absolventen ein Vorsprung von durchschnittlich drei Jahren am Arbeitsmarkt verschafft wird.

Chinesische Uniabsolventen auf einer Jobmesse

Auch der Umgangston mit westlichen Unternehmen wird zunehmend rauer. Vor wenigen Wochen wurden in einem medialen Schauprozess ausländische Firmen wie der britische Pharmariese GSK der Bestechung von Ärzten beschuldigt, die im Gegenzug GSK Medikamente verschreiben sollten. Chinesische Ärzte sind für diese Praxis besonders offen, da sie chronisch unterbezahlt sind. Ähnlich geht es auch im öffentlichen Sektor zu, wo sich Krankenhäuser mangels öffentlicher Gelder ausschließlich über den Medikamentenverkauf finanzieren müssen. Diese Gangart der Bestechung wird auch von chinesischen Pharmakonzernen praktiziert, mit dem Unterschied, dass diese nicht öffentlich denunziert werden. Der Hund liegt also nicht bei den westlichen Akteuren in China, sondern im System selbst begraben.


Inwiefern diese neuen Regelungen und Vorgangsweisen nur eine vorübergehende Strategie der Regierung sind um Stärke vor dem Parteitag im November zu demonstrieren, wird sich weisen. Das Geschäftsklima hier ist jedenfalls so schlecht wie schon lange nicht mehr. So wie die Welt hat sich eben auch China in den letzten fünf Jahren verändert. Im Osten viel Neues, sozusagen.

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