Für viele ist China
nach wie vor eines der globalen Expat Paradiese. Der allgemeinen Auffassung
zufolge sind Ausländer in China hoch angesehen und erfolgreich bei der
Jobsuche. Noch besser haben es gar jene Expats, die von westlichen Firmen für
3-5 Jahre nach China geschickt werden und dementsprechend entlohnt werden:
Nettoeinkünfte von mindestens 4000 Euro sind die Regel, darüber hinaus steuert der
Arbeitgeber oft auch die Kosten für die Wohnung, die Schule der Kinder sowie
einen privaten Chaffeur bei. Doch die Zeiten
haben sich geändert.
Die Weltwirtschaftskrise hat den Großteil der westlichen Unternehmen
zum Sparen gezwungen – mitunter ein Grund warum oben genannte
Entsendungsaufträge seit Jahren kontinuierlich abnehmen bzw. nicht verlängert
werden. Nur in seltenen Fällen schicken Firmen noch hoch spezialisierte Mitarbeiter
mit solchen Arbeitsverträgen nach China. Einem ebenso kompetenten chinesischen
Mitarbeiter ein für chinesische Verhältnisse überdurchschnittliches Gehalt
auszuzahlen ist meist wirtschaftlicher und führt zu ähnlichem Erfolg. Den
gleichen Trend kann man bei chinesischen Unternehmen beobachten, die in ihren
Stellenausschreibungen immer öfter nur noch nach „native Chinese persons“
suchen. Das liegt v.a. daran, dass sich chinesische Unternehmen mittlerweile
„emanzipiert“ haben und ausländisches Know-How nicht mehr in dem Ausmaß
benötigen wie in den vergangenen 20 Jahren.
Auch für ausländische
Uniabsolventen ist die Jobsuche in China nicht mehr so rosig wie noch vor
wenigen Jahren. Seit 2010 hat die chinesische Regierung sukzessive strengere
Visumsbestimmungen für arbeitende Ausländer erlassen. Wer als Ausänder in China
nun arbeiten will muss mind. 25 Jahre alt sein, benötigt zumindest einen Bachelorabschluss
sowie zwei Jahre Berufserfahrung (nach Abschluss des Studiums) im Heimatland.
Natürlich muss diese Berufserfahrung auch etwas mit dem Studium zu tun haben,
was bedeutet, dass ein Teilzeitjob in der Gastronomie neben dem Jus-Studium für
die chinesischen Behörden nicht relevant wäre. Diese skurillen Maßnahmen sollen
bewusst den chinesischen Hochschulabsolventen einen Vorteil am Jobmarkt
verschaffen. In der Tat gibt es momentan in China so viele arbeitslose
Jungakademiker wie nie zuvor. Diese Tatsache lässt sich aber eher auf die
aktuell stagnierende Wirtschaftssituation zurückführen als auf in das Land drängende
Arbeitskräfte aus dem Ausland. Klar ist jedenfalls, dass mit diesen neuen
Verordnungen den chinesischen Absolventen ein Vorsprung von durchschnittlich drei
Jahren am Arbeitsmarkt verschafft wird.
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| Chinesische Uniabsolventen auf einer Jobmesse |
Auch der Umgangston
mit westlichen Unternehmen wird zunehmend rauer. Vor wenigen Wochen wurden in
einem medialen Schauprozess ausländische Firmen wie der britische Pharmariese GSK
der Bestechung von Ärzten beschuldigt, die im Gegenzug GSK Medikamente verschreiben
sollten. Chinesische Ärzte sind für diese Praxis besonders offen, da sie
chronisch unterbezahlt sind. Ähnlich geht es auch im öffentlichen Sektor zu, wo
sich Krankenhäuser mangels öffentlicher Gelder ausschließlich über den
Medikamentenverkauf finanzieren müssen. Diese Gangart der Bestechung wird auch
von chinesischen Pharmakonzernen praktiziert, mit dem Unterschied, dass diese nicht
öffentlich denunziert werden. Der Hund liegt also nicht bei den westlichen
Akteuren in China, sondern im System selbst begraben.
Inwiefern
diese neuen Regelungen und Vorgangsweisen nur eine vorübergehende Strategie der
Regierung sind um Stärke vor dem Parteitag im November zu demonstrieren, wird
sich weisen. Das Geschäftsklima hier ist jedenfalls so schlecht wie schon lange
nicht mehr. So wie die Welt hat sich eben auch China in den letzten fünf Jahren
verändert. Im Osten viel Neues, sozusagen.

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