Sonntag, 9. Mai 2010

Brot und Spiele

Wenn plötzlich neue Ubahnlinien eröffnet werden, im sonst so ziemlich werbefreien einzig englischsprachigen TV Sender CCTV International plötzlich unzählige Tourismuswerbungen laufen und sich unglaubliche Feuerwerksblumen am nächtlichen Firmament vor unseren Augen öffnen, kann das nur ein Zeichen für ein weiteres Großereignis in China sein.

Seit nunmehr einer Woche ist die Expo, die Weltausstellung, in Shanghai am Laufen. Bereits seit Jahren wurde die Bevölkerung auf dieses Großereignis getrimmt und der Aufwand sich der Außenwelt von bester Seite zu präsentieren steht dem von Olympia 2008 um nichts nach. Seitens der Partei erhofft man sich mittels der Expo negative Erinnerungen an China der jüngeren Vergangenheit aus den Gedächtnissen der Leute zu verdrängen. Das hat schon anno 2008 mit den Olympischen Spielen und den kurz davor stattfindenden Unruhen in Tibet funktioniert und wird auch heuer mithilfe der Expo wieder reibungslos klappen. Denn kaum sind die Nachwehen der Xinjiang Unruhen vor einem Jahr oder des Zensurstreits Google vs. China am Abklingen, folgt schon wieder das nächste Propagandagroßereignis um die Weltbevölkerung China gegenüber harmonisch zu stimmen.


Generell erhält man den Eindruck, dass in China immer irgendetwas in Form von Großveranstaltungen „los sein muss“. 2008 die olympischen Spiele, 2009 die National Games und das 60 Jahr Jubiläum der Volksrepublik, 2010 die Expo und die Asian Games, 2011 die Summer Universiade und die Schwimmweltmeisterschaften, 2012 die Asian Beach Games und die National Peasants Games, 2014 die Olympischen Jugendsommerspiele: die Bevölkerung wird immer auf Trab gehalten, immer mittels unzähliger an Großereignisse gestützte Wohlfühlkampagnen ruhig gehalten – bereits das römische Reich lernte schnell die „Brot und Spiele“ Methodik zu schätzen. Und wenn nunmal gerade kein Großereignis stattfindet trainiert man die Bevölkerung eben jahrelang auf das nächste Event hin, quasi um noch mehr Spannung zu erzeugen. Während in Wien knapp 2 Wochen vor der EURO 2008 noch Grabesstimmung herrschte, sprach in China anno 2008 schon jeder von der Expo: „Wird total super!“, „Da geh ich sicher hin!“, „Das darf man sich nicht entgehen lassen!“, so ähnlich fielen die Antworten verschiedenster Chinesen aus. Was das Motto der Expo oder was eine Weltausstellung generell überhaupt ist, wissen vermutlich die wenigsten Personen. Man geht halt hin, weil sie in China stattfindet. Oder hat sich 2005 jemand für die Expo im verhältnismäßig nahen japanischen Seto auch nur ansatzweise interessiert? Nein.

Das Motto der Expo selbst – Better City Better Life, welches für grüne und nachhaltige Energiekonzepte steht - erscheint dann doch sehr an den Haaren herbei gezogen, viel mehr gleicht der ganze Event einem riesigen Disneyland, auf dem tagtägliche Paraden und Festumzüge einzelner Pavilions mit Fokus auf die Besonderheiten des entsprechenden Landes stattfinden. Jeder Besucher bekommt zudem einen „Expo-Reisepass“, mit dem man bei jedem Pavilion eines Landes „Einreisestempel“ sammeln kann. „Ich habe bereits 20“ verkündet die junge Studentin beinahe euphorisch dem Interviewteam der TV Nachrichten. Was steht hier eigentlich im Mittelpunkt? Nachhaltige Energiekonzepte oder die Welt mitsamt ihrer Staatengemeinschaft als bunter Themenpark? Das Verhältnis der unzähligen chinesischen Besucher quer durch alle Alters- und Sozialklassen lässt sich somit eigentlich leicht erklären. Auch heutzutage kann sich die Masse der chines. Bevölkerung keinen Auslandsurlaub leisten, die meisten besitzen nicht einmal einen internationalen Reisepass. In der Hinsicht bietet die Expo eine ideale Gelegenheit einen flüchtigen Blick auf die Welt außerhalb Chinas zu erhaschen.



Und während die TV Nachrichten unterdessen stolz stündlich aktualisierte Besucherzahlen der Expo verkünden, überlegt man sich was von diesem Event in knapp einem halben Jahr nach der Abschlussfeier übrig bleiben wird: Überraschend wenig. Denn neben einem fahlen Beigeschmack von Propaganda und dem alle anderen Pavilions überragenden China Pavilion, wird der Nachwelt wenig erhalten bleiben: der Rest des Expo Areals wird nach einem halben Jahr Nutzung komplett abgerissen werden, da es sich hier um erstklassige Shanghaier Baugründe handelt. So viel zur Nachhaltigkeit.

3 Kommentare:

  1. "Während in Wien knapp 2 Wochen vor der EURO 2008 noch Grabesstimmung herrschte"

    Sowas maßlos übertriebenes :-P.

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  2. @ Atef: Relativ gesehen schon ;)

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  3. Oh Gott, du weißt ja wer ich bin! *imkreisherumrennundkreisch*

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