Mittwoch, 15. Oktober 2008

Chinesische Bürokratie

Mittlerweile ist es Oktober und es hat sich auch schon viel getan. Der Milchskandal ist mittlerweile wieder abgeflaut und interessiert nur noch die wenigsten. Um ihr Image zu reparieren haben sämtliche Milchhersteller ihr ePreise drastisch gesenkt um die Kunden wieder anzulocken – mit Erfolg, denn wenn ich so in meinen Supermarkt schaue, sehe ich lauter Chinesen, die wie verrückt Milch einkaufen. Generell dürfte jedoch mittlerweile keine kontaminierte Milch mehr im Handel sein, ich werd dann also dementsprechend bald auch wieder auf Milchkonsum umsteigen. Hab vor wenigen Tagen diesbezgl. auch in den chines. Abendnachrichten einen Bericht gesehen, dass die Kontrollen verschärft wurden und jetzt nur noch „normale“ Milch erhältlich sei, welche sich laut Auskunft eines Filialleiters einer Supermarktkette auch weiterhin gut verkaufe.
Wie auch immer, die ganze Affäre scheint niemanden mehr zu interessieren, seit Kurzem kann man sogar wieder auf Youtube Videos mit den Tags China und Milk zugreifen.

Kaum war also das Miclhskandal Thema vom Tisch gab es jedoch schon das nächste (Propaganda)Thema. Der erste Weltraumspaziergang eines chines. Astronauten. Wieder ma wurde das ganze Thema tagelang aufgeblasen, auf öffentlichen Leinwänden sowie auf zig TV Stationen konnte man live mitverfolgen, wie die chinesischen Astronauten aus ihrer Kapsel stiegen und demonstrativ die chines. Flagge in die Kamera schwenkten. Wie für China üblich dominierte dieses Thema auch nach dem eigentlichen Ereignis noch mind. eine Woche den Großteil der Medienlandschaft.

Gleichzeitig während des Weltraumspazierganges waren in China auch anlässlich des Nationalfeiertages am 1. Oktober Nationalferien, eine Woche lang, für alle Chinesen. Dementsprechend voll war Beijing und es war absoluter Horror, wenn man aufs öffentliche Verkehrssystem zu dieser Zeit angewiesen war. Teilweise musste man in Ubahn Stationen 2-3 volle Züge einfach fahren lassen, weil keine Leute mehr hineingepasst haben. Hat mich ziemlich an Japan erinnert. In dieser Zeit hatte ich auch mehrfachen Besuch. Zum einen vom Michi, der ja derzeit in Shanghai studiert, inkl ein paar Freunden, dann noch von meiner Cousine sowie von meinem Bruder und einem Freund von ihm. Dementsprechend mühsam war es während der Nationalfeiertage irgendwelche touristischen Aktivitäten zu unternehmen, weil einfach alles so überfüllt war. Auf den Tiananmenplatz passten nach Michis Angaben keine Leute mehr drauf, es war wie in einer voll gesteckten Ubahn. Anzumerken sei nur, dass auf den Tiananmen Platz ca eine Millionen Menschen Platz haben. Dies war dann auch im Endeffekt der Grund warum wir am Nationalfeiertag uns nicht das Feuerwerk am Tiananmenplatz gaben, das wäre zu viel des Guten gewesen.

Nachdem die Nationalferien auf jeden Fall vorbei waren, war es in Beijing um einiges ruhiger und weniger stressig geworden. Nun konnte man die Zeit nutzen um berühmte Sehenswürdigkeiten wie die verbotene Stadt oder die Große Mauer zu besichtigen. Das Wetter hierfür war – wie in den letzten 2 Wochen auch schon – perfekt, strahlend blauer himmel und Sonnenschein mit Temperaturen zw 20 und 25 Grad. Die Zeit nach den Nationalfeiertagen nutzte ich auch um die letzten bürokratischen Maßnahmen zu beenden. Zuerst holte ich mir mein Residence Permit ab mit welchem ich mir mein neues Housing Certificate beschaffen wollte. Hier gab es jedoch ein kleines Problem.

Die Uni hat für mich das Residence Permit organisiert, hierfür braucht sie alle mögl. Unterlagen wie zB Gesundheitscheck, Reisepass, Inskriptionsbestätigung von der Uni usw SOWIE mein altes Housing Certificate, welches nur bis 24. September gültig war. Gut. Als ich mir nun also mein Residence Permit und meinen Pass von der Uni abholte fragte ich nach meinen restl. Unterlagen, daraufhin wurde mir erklärt, dass die die Uni behalen würde. Gut, das Problem ist nur, dass man nur dann ein neues Housing Certificate beantragen kann, wenn man das alte vorweist. Demensprechend fragte ich ob ich mir wenigstens das alte Housing Certificate kopieren könne, woraufhin auf einmal die Tatsache ans Tageslicht kam, dass die Uni mein Housing Certificate verloren hatte!

Ich hab echt geglaubt ich dreh durch. Nicht nur, dass ich die Frist meines alten Housing Certificates bereits um ca 2 Wochen überzogen hatte, nein ich hatte nicht mal mehr ein Housing Certificate, war also eigtl. illegal in Beijing. Mental bereitete ich mich bereits auf diverse behördliche Bestrafungen vor, angefangen von saftigen Geldbußen bis hin zur Abschiebung – ich sah mich wirklich schon im Flieger nach Österreich sitzen.

Na gut, die uni meinte ich müsse zur Polizei gehen und das mit denen klären. Gut, mit meinem Vermieter zur Polizei und denen das Problem erklärt. Der Vermieter hat dann irgendein Ersatzformular für mein altes Housing Certificate irgendwo in der Schnelle aufgetrieben und damit war die Sache schon erledigt. Keine Geldstrafe oder sonstiges. Ich war echt baff. Somit hab ich jetzt mal bis Juli eine Ruhe, wenn ich dann wieder mein Visum verlängern muss.

Eine weitere organisatorische Tätigkeit, die ich erledigte war der Kauf eines zugtickets nach Shanghai, da ja dort an diesem Wochenende der Formel 1 GP von China steigt, für welchen ich ja Tickets habe. Gut. Leider habe ich nur noch Tickets in der teuersten Klasse bekommen (eh klar, so kurzfristig) und mein Zug geht heute (Mittwoch) Abend um 19:44 Ortszeit. Es handelt sich dabei um den 2. schnellsten zug auf dieser Strecke und ich liege im „Softsleeper“ Abteil, also wirklich das teuerste vom teuersten. Ein One Way Ticket von Peking nach Shanghai hat mich umgerechnte knapp 50€ gekostet. Retoure Ticket hab ich noch keins, das kann ich nur in Shanghai kaufen meinte die Dame am Ticketschalter. Das ist insofern interessant, als dass ich eigtl am Montag Uni habe und irgendwie keine Ahnung hab wann ich überhaupt so kurzfristig ein Retour Ticket nach Beijing kriegen werd, aber das wird schon gehen :)

Gut, ich muss jetzt aufhören. Übrigens: Neueste Fotos können entweder auf StudiVZ oder auf Facebook in meinem neuesten Fotoalbum begutachtet werden.

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